— 150 — V unserer Vorfahren so bewegte, was noch heute im Volke immer wieder besprochen wird: Die unheimliche Zeit-des Hexenwahns und ihr Ende. •Da fiel mir beim Studium 
von 6 grossen Aktenbündeln aus clem Wiener Staatsarchiv, welche den Übergang der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg an das Fürstenhaus Liechtenstein behan- deln, mitten unter den wohl-8000 Seiten ein Schreiben des Fürstabtes Rupert von Kempten, des kaiserlichen Kommissars, auf, in dem er über seine Tätigkeit in unserer Heimat berichtet. -Er zählt die Aufträge auf, die er vom Kaiser als Kommissar erhalten. Da fand ich die über- raschende Feststellung, dass sein erstes Amt die Untersuchung der we- gen des Verbrechens der Hexerei vom Grafen Ferdinand Carl Franz von Hohenems gegen seine, Untertanen ungehörig und gegen jede Rechtsordnung vorgenommenen Prozesse gewesen sei. In diesem Schreiben wendet sich der Fürstabt an den Kaiser direkt und wehrt sich gegen Vorwürfe, die der letzte Hohenemser Graf von Vaduz, Jakob Hannibal, gegen ihn erhoben hatte. Der Fürstabt gibt seine persönliche Einstellung zu erkennen: Er ist der Überzeugung, dass der Segen-Gottes vom Grafenhause der Hohen- ems sich abgewendet hat, weil grauenhafte Rechtlosigkeiten .verübt wurden. Die Grafen mögen das Land verlassen, in dem sie so Schreck: liches verübt, dann wird vielleicht der alte Glanz des einst ruhm- reichen Geschlechtes wieder über sie kommen. Wir sehen Rupert von Kempten als Wahrer der Menschlichkeit, vvir erkennen seine hohe:Auffassung von den Pflichten des Regieren- den' und den Folgen des Unrechtes. Lesen wir die Briefstelle : Er schreibt über die Not des Landes, «ich hätte daraus wohl schliesseri müssen, wie die göttliche Benediktion weit abgewichen, dessen vielleicht nicht wenig die Ursache sein dürfte, weil die Herr- schaft Vaduz und Schellenberg in den 120 Criminalprözessen wegen des Verbrechens der Zauberei sich mehr für die bei diesen Verbrechen ah obigen Orten hergebrachte Konfiskation der Güter hingerichteter Untertanen als für die Wahrung des Rechtes interessiert hat. Diese Prozesse aber wurden hernach durch. die mir allergnädigst aufge- tragene Kommission sistiert, die Protokolle wurden erhebt und nach Salzburg an die Juristenfakultät geschickt, sie -zu überprüfen und ihr rechtliches Gutachten über jedweden- Prozess zu erstellen. Die gemel- dete Fakultät hat nicht einen Prozess für gültig gehalten, und alle
        

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