— 69 — dem Bogenmusterrapport (Abb. 10, l):i:i) und die drei Scherben mit Bogen-, Mondsichel- und Ringaugenmuster (Abb. 10, 3; 11, 13, 14)3'1) sind unbedingt zur Schnellerkeramik zu stellen. Bleibt noch der spät- latenezeitliche Horizont mit Graphitton und Kammstrichverzierung (Abb. 10, 2; 11, 6, 7). Vermutlich tritt hier noch ein anderes eisenzeit- liches Kulturelement dazwischen, das vorläufig durch die am Rande aufgestülpten Bandhenkel in Erscheinung tritt. Solche Bandhenkel sind in Tirol und im angrenzenden Engadin geläufig35). Es erübrigt sich hier, näher darauf einzutreten, da andernorts darüber gehandelt wurde36). Desgleichen soll nicht auf weitere Züge in diesem Mosaik von Kultureinflüssen eingetreten werden, höchstens dass eine Paral- lelisierung mit dem Grepault37) heute überfällig ist, da unterdessen klar geworden ist,- dass der Hauptanteil der Grepaulter Keramik wohl mittelbronzezeitlich ist. Nach den vorhergehenden Ausführungen dürfte es nun klar sein, dass die These Kellers, wir hätten es hier mit dem Kulturinventar einheimischer Räter in römischer Zeit (1. — 4. Jh. nach Chr.) zu tun, dem heutigen Stand der Forschung nicht mehr genügt. Ich könnte mir vorstellen, dass bei der Anlage der Kalköfen die alten Kulturschichten durcheinander gekommen sind, wie es der Ausgräber im Grahungsbericht auch andeutet. Zur noch engeren Abgrenzung der Schnellerkeramik nach oben kann schliesslich beigefügt werden, dass die mittlere Latenezeit auf dem Montlingerberg durch eine grosse Bronzefibel mit Bügelumklam- merung durch das Fussende, eine Gussform für Gürtelketten und durch langschmale Lanzenspitzen wenigstens fundmässig vertreten ist. Nach **) Römische Zeitstellung, wie die Legende S. 47 angibt, steht ausser Frage. '•") Bei der Nachkontrolle im Rät. Mus. in Chur hat sich herausgestellt, dass die Scherben der Abb. 11. 14 und 16 um 180° zu drehen sind. :,s) Vergl. dazu Ramosch, Jahrb. d. Schweiz. Ges. f. Urg. 44, 1954/55, S. 151 ff 3li) Zeitschr. f. Schweiz. Arch. u. Kunstgesch. 15, 1954/55, S. 170. 3;) W. Burkart, Die Rätersiedlung Grepault, Jahrb. d. Schweiz. Ges. f. Urg. 29, 1937, S. 115 ff. Der Charakter der Keramik wird durch die gegebenen Abb. nicht ohne weiters klar. Man beachte aber etwa bei Abb. 31 die hoch- liegenden, dachförmigen Leisten, oder bei Abb. 32 die Behandlung des ' Mundsaumes, oder den Scherben Abb. 34,1. Solche Fehlurteile sind wohl zur damaligen Zeit unter dem Eindruck der fast allgemeinen Faszination durch die alpine Rückständigkeit zu verstehen.
        

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