1460/70 wird eine dritte Form vorherrschend, die wohl spora- disch schon früher auftritt. Der Heiland liegt horizontal auf dem Schosse der Gottesmutter, doch werden dessen Kopf und Körper nach vorne gedreht. Der Brustkorb ist gewölbt. Der vordere Arm hängt gerade iherah, dessen Hand nach innen gebogen ist. Die Gottes- mutter erscheint in reichem Kopftuch mit Halsbinde. Diese Form stammt vielleicht von Klaus Sluter, vielleicht kommt sie aus den Niederlanden. Ein hervorragendes Beispiel für diese Form ist 'das Vesperbild in Mauren. Ein vierter Typus scheint für Südschwaben keine Bedeutung zu haben, wohl aber der fünfte Typus, bei dem 'der Heiland auf dem Boden liegt,, von der Gottesmutter gestützt wird, die sich über ihn neigt. Diese Form kommt ungefähr von der Mitte des 15. jahiliun- derts an vor, wird gegen und um 1500 besonders 'bevorzugt. Das älteste Beispiel für diese Form in Deutschland ist nicht, wie man gerne annimmt, der Stich L. 33 des Meisters E S, sondern ein Vesper- bild aus Alabaster von 1430/40°"). Diese Form verkörpert das Vesper- bild in Rottweil. So bestätigt dieses Hilfsschema die zeitlichen Fest- setzungen betreffs der Vesperbilder in Mauren und Rotiweii. Es zeigt aber noch etwas Wichtigeros. Das Vesperbild ist daraus entstanden, dass das Leiden des Herrn im Mitleiden der Gottesmut- ter vom Beschauer miterlebt werden soll. Diese ursprüngliche Tiefe zeigt sich im Vesperbilde in Mauren noch in ungebrochener Frische und Lebendigkeit. Es ist offensichtlich die Absicht des Meisters, mit seinem Kunstwerke dem 'Betrachter zu sagen: Siehe, welches Leiden erfüllt mich, da man meinen Sohn so geschunden, gemartert und ge- tötet hat. Leidest du mit mir? (Vgl. das «Stabat inatcr»). Vielleicht konnte mit dieser Abhandlung die Lösung der Frage, was es mit dem Vesperbildc in Mauren auf sich ihat und ob noch andere Werke diesem grossen Meister zugeschrieben werden können, etwas vorangetrieben werden. •"•'•') Vgl. Swarocnski: Deutsche Alabaster-Plastik des 15. Jahrhunderts. Sliidel- Jahrbuch, 1921. Lichtbilder: Aufnahmen A. u. M. Kroimnelt. Vaduz.
        

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