- 46 — Pietä, 1922, aufgestellt hat und das W. Passarge in seinein Buche: Das deutsche Vesperbild im Mittelalter, 1924, weiter ausgearbeitet bat00). Die erste Form tritt von 1320 an auf und wird bis zum Anfange des 15. Jahrhunderts angewandt. Der Heiland liegt entweder klein au Gestalt wie ein Kind auf dem Schosse der Gottesmutter, oder er ist sehr gross und diagonal zur Figur der Gottesmutter angeordnet. Die Rippen des Heilandes treten stark hervor, der Kopf hängt lahm hinten hinunter, der vordere Arm hängt schlaff herab, alles Mittel, um den grausamen Schmerz über den Tod des Heilandes laut heraus- zuschreien. In Süidschwaben hat diese erste Form des Vesperbildes einen wunderbaren, wohl aber viel milderen Ausdruck gefunden im Ves- perbilde aus Radolfszell im Diöz.-Mus. in Freiburg i. B.u'). Vesper- bilder vom gleichen Meister oder aus seiner Schule oder von Nach- folgern befinden sich aus Graubünden im Landesmuseum Zürich, aus dem Kloster Neu-:St. Johann in der Krypta der Seminarskirche in Chur, in der Friedhofkapelle in Vilters58). Es möchte scheinen, dass die starke Komposition, die beim Meister von Mauren so auf- fällt, seit dem Radolfszeller-Meister und anderen Meistern der glei- chen Zeit sozusagen eribmässig in der südschwäbischen Plastik liegt. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts tritt eine zweite Form auf. Sie geht stilistisch oft mit den «schönen Madonnen», natürlich be- sonders dann,wenn die Plastiken vom Osten kommen. Bei ihr liegt der Heiland horizontal, oft fast wie ein Balken, im Schosse der Gottes- mutter. Die Hände des Heilandes sind gekreuzt. Sehr oft findet sich vom linken Knie Mariens bis unter die Füsse des Heilandes eine Schleife von Falten. Eigenartig, anatomisch «unrichtig» sind gewöhn- lich die Füsse des Heilandes. Hier liegt der Ursprung der Eigenart der Füsse des Heilandes im Vepenbilde in Mauren. Sie finden sich gleich z. B. beim Vesperbild in Mörsingen bei Zwiefalten, beim schon genannten Vesperbild im Dominikanerinnenkloster Altenstadt. •'") Vgl. dazu auch J. Baum: Gotische Bildwerke Schwabens, S. 128, und 0. Graf Trapp: Die mittelalterlichen A^esperbilder in Nord- und Osttirol, Tiroler Heimatblätter 1934. ") Abb. z.'"B. bei J. Baun:: Gotische Bildwerke Schwabens. Taf. 79. 80. ,s) Vgl. .1. Fulterer: Gotische Bildwerke der deutschen Schweiz 1220— 1-140. 1930, Abb. 86 — 90.
        

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