— 39 — Vesperbild in Mauren absolut nichts von Verdrehung und Verschlin- gung der Figur wissen. Es will nicht Verdrehung und Verschlingung. sondern nur statische Komposition, dies so sehr, dass nicht nur jede Gestalt und jedes Glied, sondern selbst jede Falte in sie einbezogen .wird. In diesem Punkte gehört dieses Vesperbild in die Linie des stillen, strengen Stiles in Schwaben, der hier im Gegensalz zu ande- ren Gebieten noch relativ stark war. In der expressiven Bewegung des Oberkörpers des Heilandes scheint der Meister des Vesperbildes in Mauren zu verraten, dass er die Verdrehung und Versehlhiguug der Formen wohl kennt. Das Ahnlichste, das sich für die naturalistische Anatomie des Heilandes des Vesperbildes in Mauren anführen lasst, für dessen ge- wölbten Brustkorb, die enge Taille, den Knick der Lenden, die Füsse ausgeschlossen, sind ilie Heilande der Stiche L. 31, 32, 33, 50, 306b, des Meisters E S45). Daraus folgt nicht, dass das Vesperbild in Mau- ren vom Meister E S abhängt. Die Stiche dieses Meislers enthalten so sehr die verschiedensten Sujets, sind so sehr in ganz verschiede- nen Stilen geschaffen, sind so sehr von der verschiedensten Qualität, dass es ausgeschlossen ist, dass der Meister E S die schönsten und wertvollsten Kompositionen selbst geschaffen hat. Er hat schönste und wertvollste Werke seiner Zeit kopiert. Man muss wahrschein- lich noch weiter gehen und sagen, dass er der Schule und der Rich- tung des Nikolaus Gerhaert direkt Kopien wichtiger Werke der Schule und der Richtung zu liefern hatte. Denn bis ungefähr 1480 werden die Stiche des Meisters E S fast nur von der Richtung des Nikolaus Gerhaert als Visierungen benutzt. Wenn also eine Plastik stilistisch oder in 'der Komposition mit Stichen des Meisters E S übereinstimmt und diese älter sind, so folgt daraus nicht unbedingt, dass sie von diesen Stichen »abhängt. Sondern diese Übereinstimmung ist ein Zeichen dafür, dass sie von Werken abhängt, die dahinter stehen und die sie nachahmen oder denen sie nacheifern will. Die Probe dieser Theorie dürfte der Stich L. 60 sein. Er ist auf 1467 datiert und stellt die Muttergottes im Gebete dar. Wenn etwas sicher ist, so das, dass dieser Genre, Büste in einer plastischen Umrahmung, von Nikolaus Gerhaert kommt. Vom Gegenstück dic- 4') Vgl. die Reproduktionen l>ei M. Ceisberg: Die Kupferstiche des Meisters E S, 1924, Bl. 80, 31, 30, 18, 96.
        

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