- 36 — limg Schnell in Ravensburg, jetzt im Deutsch. Mus. Berlin31). Dieser Barock erreicht um 1480 seinen Höhepunkt, beginnt gegen 1490 zu schwinden, wird um 1500 vom neuen Stil der (Beruhigung abgelöst. Neben diesem Stile der rauschenden Bewegung und Verschlin- gung, der Masse und Gestalt aushöhlt und verzehrt, igibl es 1470/80 in Schwaben einen stillen, strengen Stil, der nicht nur entgegenge- setzt, sondern eigentlicher Protest dagegen ist, der im Formalen nicht Bewegung, sondern Komposition will, in der Stimmung nicht ekstatische Lebendigkeit, sondern Ruhe, Majestät, Hoheit. Nur im Naturalismus geht er ein Stück Weges mit der Richtung des Nikolaus Gerhaert. Bekanntester Exponent dieser Richtung ist der Meister der Weisen und Sybillen am Chorgestühl in Ulm (1469—'74), sei er mit dem älterenSyrlin identisch oder nicht32). Ein weniger bekannter, aber nicht weniger starker Exponent dieser Richtung in Südschwa- ben ist.der Meister des Grabmales des Grafen Jörg von Waldenburg, gest. 1467, in Waldsee33). O. Hacker : Schwäbische Erzbildnerei, Mitt. des Ver. für Kunst und Altertum, 1941, hält es für ulmisch. Auch am Oberrhein ist. trotz Gerhaert diese Richtung vorhanden wie der Hl. Jakob in Kaisersberg beweist.31). O. Schmitt a. a. 0. S. 24 taxiert diese Plastik des Hl. Jakob als Schulwerk des Nikolaus Gerhaert.. Demmler fragt im Jahrbuch der Preuss. Kunstsammlun- gen, 1921, S. 29, ob sie nicht von Gerhaert selbst sei. Aber es fehlen dieser Plastik doch offensichtlich einige der wichtigsten Merkmale des Stiles des Nikolaus Gerhaert wie z. B. vor allem die Verwindung und Bewegung der Formen, sodass es trotz dem Ansehen von Schmitt und Demmler möglich scheint, sie dem strengen Stile zuzuschreiben. Es gibt in Schwaben zu dieser Zeit auch noch Nachfahrer von Multscher, z. B. den Meister des Ticfeiibronner-Al'tares (1469), von dein auch die Madonna aus der Klosterkirche in Heggbach (um 14701 stammt30). Selbst in der Zeit des höchsten Triumphes des spätgoti- schen Barock gibt es in Schwaben Vertreter des stillen und strengen :") Abi), bei K. Gröber: Schwäbische Skulptur der Spätgotik, 1922, Nr. HO. •12) Abb. hei Pinder: Deutsche Plastik im 1.5. Jahrhundert. 
Taf. 43 — 46. Abb. bei Pinder: Deutsche Plastik des 15. Jahrhunderts. 
Taf. 41 — -18. M) Vgl. O. Schmitt: Oberrheinische Plastik im ausgehenden Mittelalter, 192!, Taf. 22, vgl. auch Taf. 7. Abb. bei Pinder: Deutsche Plastik im 15. Jahrhundert, Taf. -11.
        

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