brochen. Diese Zerstörung des weichen Stiles kann nun verschiedene Grade annehmen. Es gibt eine Form, der man es ansieht, was gestört und zerstört wurde. Das beste und auch wichtigste Beispiel dafür sind Plastiken am «Sclinegg» im Münster in Konstanz, der 1438 — 46 errichtet wurde10).Es gibt eine andere Form, der man das nicht mehr ansieht. Es tritt Entgegengesetztes an .die Stelle des Zerstörten. An die Stelle der Horizontale tritt die Vertikale, sodass z. B. die Draperie nur mehr aus einer Reihe von parallelen, senkrechten Fal- ten besteht und einer kannelierten Säule gleicht. An Stelle 'der Hold- seligkeit tritt nicht nur Herbheit und Kälte, sondern direkt Starr- heit und Missmut. Beispiele dafür, sie stammen nicht aus Schwaben, sind die Portalfiguren in Freiburg i. Ue., von denen eine auf 1438 datiert istie), und das Grabmal der Pfalzgräfin Johanna, gest. 1444, in Moosibach17). Ausserhalb Schwäbens gibt es zu dieser Zeit noch einen ausgesprochenen Barock wie z. B. bei Jakob Kaschauer18) und bei dem Meister des Schüsselfelderschen Christopherus in Nürn- berg19). Um 1450 herum, sporadisch schon vorher, tritt dann ein neuer Stil auf, dem man es ansieht, dass er dem weichen Stile folgt, der aher die labsichtliche Störung und den gewollten Gegensatz nicht mehr besitzt, sondern wieder eine neue Ruhe und eine neue holde Feinheit besitzt, der sogenannte Multscher-Stil, 'der ganz und gar nicht Multscher allein zukommt, sondern der Stil einer ganzen Zeit ist. Es können in Schwaben mehrere bedeutende Meister nachge- wiesen werden, die diesen Stil .haben und nicht der Werkstatt Mult- schers angehören. Naoh 1460 tritt neben diesen Stil oder an 'dessen Stelle ein Stil der Härte, der scharfe, schmale, geknickte Falten liebt, der die Masse und den Block der Figur stark durch tiefe Kanäle und Höhlen zwischen hohen Falten aufschlitzt. Mit diesem Momente verbinden sich nun «Naturalismius» und «richtige» Anatomie. Es ist sicher, l5) Vgl. die Abbildungen bei G. Troescher a. a. 0. 2. Bd. Abb. Nr. 479 — 490. '") Abb. bei Pinder: Deutsche Plastik vom ausgehenden Mittelalter bis zum Ende der Renaissance. Bd. 2. S. 267. 17) Abb. bei Pinder a. a. 0. S. 283. 18) Vgl. Pinder: Die deutsche Plastik des 15. Jahrhunderts. Taf. 35. 19) Abb. bei Pinder im oben genannten Werke, Taf. 34.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.