— 2L — Kaiser von Österreich und Seine Durchlaucht der souveräne Fürst von Liechtenstein haben in der Absicht, um den Zustand der Absonderung aufhören zu machen, in welchem das Fürstentum Liechtenstein gegen- über dem übrigen Deutschland sich befindet und um zwischen- den stammverwandten Gebieten von Vorarlberg und Liechtenstein voll- kommen freien Verkehr herzustellen, Unterhandlungen eingeleitet und hiezu als Bevollmächtigten ernannt . . . ». Nur so ist es auch zu ver- stehen, dass im Jahre 1906 das Jahrhundertjubiläum nicht gefeiert wurde, ja dass damals nicht einmal in unserer Landeszeitung dieses so enorm wichtige Datum Erwähnung fand. Die Einstellung des Liechtensteiner Volkes zu den Ereignissen von 1806 hat sich in den letzten fünfzig Jahren radikal geändert. Die zwei grössten Kriege, die die Menschheit je erlebte, gingen in dieser Zeit dank der Eigenstaatlichkeit an uns vorbei. Zwar schlug besonders der erste Weltkrieg tiefe wirtschaftliche Wunden, aber Blutopfer hatte Liechtenstein keine zu bringen. So lernte unser Volk auf einen Schlag den unschätzbaren Wert der staatlichen Unabhängigkeit kennen. Nach dem ersten Weltkrieg begann auf Grund der neuen Verfassung die teilweise Neugestaltung unseres Rechtes und der Wiederaufbau un- serer Volks- und Staatswirtschaft, wobei uns die wirtschaftliche An- lehnung an die Schweiz aufgrund eines Staatsvertrages sehr zustatten kam. Unter dem Motto : «Liechtenstein den Liechtensteinern» wurde von da an die Regierung des Landes nur mehr gebürtigen Liechten- steinern anvertraut. Alle Gerichtsinstanzen wurden ins Land verlegt. Und als der jetzt regierende Fürst Franz Joseph II. inmitten seines Volkes seinen dauernden Wohnsitz aufschlug und seither mit seinem Volke all die Freuden und Leiden teilt, gab dies dem nationalen Be- wusstsein und den patriotischen Gefühlen einen gewaltigen und nach- haltigen Auftrieb. Auch auf wirtschaftlichem Gebiete erstarkte das Selbstvertrauen. Während noch vor fünfzig Jahren der Liechtensteiner sich fast ausschliesslich auf den landwirtschaftlichen Zwergbetrieben und dem Gebiete des Kleinhandwerks betätigte, bewährt er sich heute sozusagen auf allen Zweigen der Wirtschaft. Der Lebensstandart des gesamten Volkes konnte ganz gewaltig gehoben werden. Das liechten- steinische Volk hat sich aufgefangen, es hat sein Schicksal in-die Hand genommen. Die Perspektiven, die sich uns auftun, sind sowohl in poli- tischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht recht gute und erfreuliche. Unser Liechtenstein bietet seinen Bürgern wohl ein Maximum an
        

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