X Die Berufung des Prinzen Karl zum Landesverweser des Fürsten- tums Liechtenstein versetzte ihn mitten in die schwerste Zeit der neu- eren Geschichte unseres Landes. Der für die Mittelmächte verlorene Weltkrieg versetzte die Völker dieser Mächte in grosse Unruhe, von der auch das Fürstentum Liechtenstein erfasst wurde. Nach der Demis- sion des damaligen Landesverwesers Leopold Freiherr von Imhof und einer Übergangsregierung übernahm Prinz Karl im Sinne der ober- wähnten Berufung das Amt des fürstlichen Landesverwesers und damit die Führung der Regierungsgeschäfte im Fürstentume. Seine edle Ge- sinnung, seine ruhige und ausgeglichene Natur, begründet in einer tiefwurzelnden Religiosität, sowie seine Autorität als Mitglied des hoch- fürstlichen Hauses Hessen ihn wie keinen Zweiten berufen erscheinen, das schwere Amt in jener schweren Zeit zu führen. Wollte man alle die Aufgaben, die sich ihm hier stellten, näher schildern, so würde dies eine grössere Arbeit für sich sein. Es seien daher im Nachstehen- den nur die wichtigsten und sorgenvollsten derselben erwähnt : Die schon während des 1. Weltkrieges aufgetretene Knappheit in der Versorgung mit Lebensmitteln und den verschiedenen Dingen des täglichen Bedarfes in Haushalt, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft wurde immer ausgeprägter. Von Österreich her war eine Einfuhr von Bedeutung bei der dortigen Notlage nicht mehr möglich. Allmählich konnten von der freundnachbarlichen Schweiz Zufuhren namentlich von Lebensmitteln soweit erzielt werden, dass die ärgste Not behoben werden konnte. Eine Notstandskommission wurde bestellt und das Amt eines Ernährungskommissärs geschaffen, denen die schwere Aufgabe oblag, für Beschaffung und vermehrten. Anbau besonders von Lebens- mitteln und den nötigsten Sachen des täglichen Bedarfes sowie deren möglichst gerechte Verteilung zu sorgen. Die Viehbestände wurden aufgenommen, und der Kampf gegen unerlaubte Ausfuhr von lebens- wichtigen Gegenständen musste zu häufigen Strafverfügungen führen. Für die Lebensmittelbezüge aus der Schweiz lief mit der Zeit eine be- trächtliche Schuld in Franken auf. In erster Linie zu deren Regelung gewährte der Landesfürst ein Darlehen von 550,000.— Schweizer- franken an das Land, welche Schuld er später schenkte. Ein zu Beginn des Jahres 1919 von.Fürst Johann gefasster und von Prinz Karl geförderter Plan auf Errichtung eines liechtensteinischen Krankenhauses erwies sich schliesslich wegen der damals obwaltenden
        

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