— 72 - besuch sang man aber -nicht noch einmal das Libera —, das man heute spricht —, sondera die ganze Totenvesper, die mit der Anti- phon beginnt: «Placebo Domino in regione vivorum», «Wohlgefallen will ich dem Herrn im Lande der Lebenden» aus dem Psalm 114. Darum heisst es in unserem Jahrzeitbuch immer wieder, dass man «mit dem placebo über yry greber» gehe. Nach der gottesdienst- lichen Feier nahm man einen Imbiss. Oft ist dieser, namentlich für herbeigezogene Hilfsgeistliche, im Jahrzeitbuohe eigens erwähnt. Damit fand die Jahrzeitfeier ihren Absohluss. Da und 'dort leistet das jahrzeitbuch auch Beiträge zur Pifarrei- und Baugeschichte. Unter 'dem 5. November steht iz. B. auf fol. 23 zum Jahre 1448 (nicht 1438, wie man annimmt), dass man idie Kirche von Grund auf erweitert und verlängert und 1449 noch den Ghor neu erbaut ibabe. Es handelt sich offenbar um ein gotisches Bauwerk. Die Baulast trug nicht das Kloster Pfävers, 'das zwar das Patronats- recht innehatte, vielmehr musste tlie Gemeinde zur Bestreitung der Kosten Kirchengut und Weizengeld angreifen sowie Jahrzeitsstif- tungen verwenden, an deren Stelle dann ein gemeinsames Anniver- sarium eingesetzt wurde. Aus zwei andern Notizen (f. 9 und 28) geht hervor, dass sich bei der Kirche .auch ein Beinhaus befand. Das Be- gräbnis war also eine vorläufige Beisetzung, die Deposition der Ge- beine im Beinhaus eine endgültige. Die mehrfache Beisetzung der Leiche in verschiedenen aufeinander folgenden Zeitabständen, geht aber auf die Urzeit zurück (vgl. George de Montandon, Traite d'eth- nologie culturelle, Paris 1934, S. 85, 91, 171, 177, 682). Auch die mehr oder weniger feierlichen oder mehr oder weniger rituellen Beisetzungen nach Klassen geht auf die Urzeit zurück (ebd. S. 656). So setzt man z. B. heute bei uns nur die Geistlichen streng nach Rituale hei. — In der Kirche war der Hochaltar zu Ehren von St. Martin, Jacobus dem Älteren und Stephanus geweiht (f. 9'). Pfarrer Franz Dietrich erneuerte während seiner Amtszeit (1586 —1602) Pfrundhaus und Stall und «zierte» auch den Hochaltar (f. 10'). Den Abschluss einer durchgreifenden Erneuerung bezeichnet eine Konse- kration der Kirche am 11. Januar 1640 (Poesohel, S. 230). Man müsste nun zur Darstellung dieser Bautätigkeit auch, den Visitations- bericht des Bistums Chur vom Jahre 1639 zu Rate ziehen, in wel- chem die visitierten Kirchen genau beschrieben werden. Diese Reno- vationS'Zeit brachte dann auch die Ausserkraftsetzung des alten Jahr-
        

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