— 66 — Einzelheiten der Stiftungen und Jahrzeitsfeiern nichts aus. Dieser Stil ist uralt und universal. Er findet sich sogar schon in den' alten koptischen Totenhüchern. Man liest da etwa: «Apa Pefaö ging arn 7. Phemenoth zur Ruhe» oder: Apa Stephanus der Erzpriester ging am 23. des Monats Choirak im 3, Jahre zur Ruhe». (Leclerc, Obi- tuaire, Dictionnaire d'archeologie chretienue et de liturgie XII, 2, col. 1834 ff.). Längere Einträge mit Angaben über die Jahrzeiten kommen im Abendland erst seit dem 13. Jahrhundert auf. Im Gegensatz zu den Büchern mit einfachen Todcscinträgcn nennt man diese, aus- führlicheren Bücher Anniversar-, Jahrzeit- oder Seelbücher. Necro- logiuin und Anniversarbuch werden oft, obwohl sie in strengem Sinne verschieden sind, gleichbedeutend gebraucht. Den Übergang von der ersten zur zweiten Gruppe zeigen tref- fend die Necrologia, resp. Anniversarbücher der Domkirche zu Chur. Der älteste heute noch vorliegende Codex (C) stammt ungefähr aus der Zeit von 1140 —1150. Er enthält Angaben aus zwei älteren verlorenen Codices (A und B) und war bis zum 13. Jahrhundert im Gebrauche. Die zweite Handschrift (D) entstand am Emde des 12. Jahrhunderts und wurde bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhun- derts verwendet. Der dritte Codex (E) wurde am Ende 'des 13. Jahr- hunderts angelegt und ist fast nur eine Kopie 'des zweiten Codex. Der vierte (G) entstand am Emde -des 14. Jahrhunderts und enthält Aufzeichnungen bis in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Codex F. ist verloren. Die älteren Einträge sind noch sehr kurz, sie gehören zur Gattung der Necrologia. Dann werden die Einträge immer länger. Die eigentlichen Anniversar-Einträge zeichnen sich häufig durch formelhafte, wortreche Breite aus: Art 'der Schenkung, Wert, Lage, Grenzbestimnvungen von Grundstücken, Ertrag, Abgaben, Einkünfte, die für den jährlichen Gedächnisgottesdienst aufzubringende Geld- summe, Verteilung derselben unter die Geistlichen, Vorschriften über die Feier der Jalhrzeit, Ruhestätte des Stifters und anderes mehr wird erwähnt. Oft nehmen die Einträge eine halbe Druck- seite in Anspruch. Bis zu diesem Punkte nehmen sie in der Form das Eschener Jahrzeitbuch voraus. Daneben kommen auch vor: historische Bemerkungen, Notizen über Bischofsweihen, über Altar- und Kirchweihen oder deren Gedenktage, astronomische und kalen-
        

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