— 63 — baren Täfelchen ein, daher der'Name Diptycha, Doppel- oder Klapp- täfelchen. Hier beschäftigen uns die Diptycha der Toten. Bisweilen trug man 'die Namen der zu Gedenkenden auch am Rande des Mess- buches, des Sakramentars, wie man damals sagte, nach. Doch diese Namenlisten wurden oft so umfangreich — es gibt Diptycha, die bis 350 Namen enthalten — , dass man dazu überging sie in eigene Bü- cher einzuschreiben. Diese Bücher nennt man libri defunetorum, To- tenbücber. Im Jahre 625 verlangt Bischof Ber.tchram von Le Mans in seinem Testament: « . . . ut nomen ineum in libro vitae recitetur», «dass mein Name im Buche des Lebens gelesen werde». Man nannte das Buch der Toten Buch 'des Lebens, 'da für 'den Christen das eigent- liche Löben, das ewige Löben, terst mit dem Tode beginnt. Diese iibri vitae waren aber noch wie die Diptycha angeordnet, d. h. sie ent- hielten nur die leeren Namen ohne beistimmte Daten. Diese Listen waren oft so lange, dass sie der Diakon lesen musste, weil sonst der Fortgang der Messe zu sehr verzögert worden wäre. Schliesslich legte man das Buch nur noch auf den Altar, und alle, die darin ein- geschriöben waren, sollten damit im Memento eingeschlossen sein. Bekannt ist der Liber viventium von Pfävers, der ab ca. 810 angelegt wurde, aber Namen bis ca. 730 zurück enthält. Die Namen stehen noch in Doppelkolonnen, wie in den Diptycha. Spätere Ein- träge gehen allerdings bis ins 14. Jahrhundert. Dieses Buch enthält auch die im Chore bei der Messe zu singenden Evangelien und wurde nach Verlesung der Perikopen zum Memento auf den Altar gelegt. Es ist liber vitae im genannten Sinne für die Toten, aber auch im eigentlichen Sinne für 'die nodh Leb enden, indem es Tausende von Namen solcher enthält. Es tat also auch so den gleichen Dienst wie die Diptycha. Es ist aber nicht nur liber vitae, sondern auch Kon- fraternitäts- oder Verbrüderungsbuch. Allerdings stellen viele Na- men auch blosse Notizen von Schenkern und Gönnern dar (z. B. die Benefactores de Piano). Die Einträge der Verbrüderten ihrerseits sind eine Art Erweiterung der Diptycha. Klösterliche Verbrü- derungsbücher — wie z. B. die von St. Gallen und Reichenau sind — waren namentlich seit (dem 9. Jahrhundert in Blüte. Wie gesehen, gaben die Verbrüderungen dem Jahrzeitwesen Auftrieb. Verbrü- derungen und Jahrzeiten machten ihre Fortischritte Hand in Hand. Diese Verbrüderungen bildeten gleichsam ein geistliches Netz über ganz Europa.
        

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