— ]44 — wie wir sie in Vaduz und in anderen Gemeinden des Landes an kei- nem bestehenden Gebäude mehr finden. Es handelt sich um die bei uns sehr seltene und sehr alte «Ständerkonstruktion» mit einge- falzten Balken. Die einzelnen Bestandteile wiesen typisch gotische Formen auf und gehören sicher dem 15. oder 16. Jahrhundert an. Diese im ganzen Rheintal nur sehr wenig angewandte «Ständerkon- struktion» war auch noch an dem vor etwa 15 Jahren abgetragenen «Allgäuerhaus» in Eschen zu sehen. Auch dieses Haus barg in seinem älteren Teil noch sehr schöne gotische Formelemente (ein Türge- wand mit Kielbogen, sowie eine schöne Balkendecke). Bei unserem Vaduzerhaus nun waren auf die vier Ecken des Kellerstockes vier auffallend massive Eichensäulen von 40 bzw. 50 cm Durchmesser und einer Höhe von 2,25 m aufgeführt. In zwei Breitseiten je eines solchen Eckpfostens waren die Eintiefungen zur Einfalzung der dicken Hauswandbohlen angebracht. Es scheint, dass sowohl die mächtigen Ecksänlen als auch die dicken aufeinandergeschichteten Wandbohlen ursprünglich weder an den dem Wetter ausgesetzten Fronten noch an den den Innenräumen zugekehrten Flächen eine Verkleidung trugen. Während die beiden hinteren, d. h. nach Norden orientierten Eckpfosten einfach viereckig und grob behauen waren, wiesen die zwei südlich orientierten Pfeiler eine verhältnismässig reiche Pro- filierung und Gliederung auf. An der Aussenfront waren unten aus den Säulen volutenartige gotische Eckverzierungen herausgehauen. An der gegen den Wohnraum gerichteten Seite war in den südöstli- chen Eckpfeiler eine Nische mit gotischem Spitzbogen eingebaucn: Der südwestliche Pfeiler hatte an der Innenseite ebenfalls eine — diesmal rechteckige — Vertiefung und die Ecke war durch eine schöne Rillenprofilierung gebrochen, welche nach oben in einen gehöhlten gotischen Spitzbogen zusammenlief. Nun stellte es sich aber schon früh im Verlaufe der Abbruch- arbeiten heraus, dass fast alle geschilderten alten Holzbestandteile des Hauses mehr oder weniger starke Nachbearbeitungsspuren durch einen Zimmermann aufwiesen. Dabei hat dieser Zimmermann weder auf Form noch auf Verzierungen Rücksicht genommen. Dadurch war es klargestellt, dass dieses gotische Haus ursprünglich nicht in genau dieser Form und wahrscheinlich auch nicht an genau demselben Platze gestanden haben konnte. Vielmehr geht aus 'dem Umstanden
        

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