- 73 — man von ihr auch nicht das kleinste Stücklein mehr hätte verwenden können. Knapp entgingen die Kirchenbesucher — sie waren ja kurz zuvor dort —- einer Katastrophe, verweilten doch die Kinder seiner- zeit zufolge des herrschenden Platzmangels oben im Chor11), also im Gefahrenbereich der Blitzbahn. Wie angespannt übrigens die Platzfrage war, das geht schon daraus hervor, dass ein eigens ange- brachtes Männergestühl die ganze rechte Hälfte der Empore bean- spruchte12). Das legte natürlich den Bau eines neuen Gotteshauses nahe, weshalb man sich im Jahre 1850 noch mit dem Zukauf einer alten Orgel begnügte. Eschen, das drei Jahrhunderte früher (1531) nur 58 Feuerstätten mit 341 Seelen über 15 Jahre zählte, war eben zu einer grösseren Ortschaft herangewachsen. Die Martinskirche soll als die «Kirche der Herren von Schellen- berg» benannt worden sein und deren Wappen getragen haben13). Mehr wird aus der Tatsache, weil in Eschen der Sitz des Gerichtes lag, gefolgert, dass das dortige Gotteshaus die Hauptkirche der Herr- schaft Schellenberg war14). Stand in Eschen sohon die Hauptkirche, so musste ihr Patron, der hl. Martinus, auch der Schutzpatron der Herrschaft Schellenberg gewesen sein. Werfen wir einen Blick zurück, in eine Vergangenheit von Jahrhunderten. Da liegen so viele und .schwere Sorgen vor der Schwelle der Martinskirche, die sowohl den kirchlichen als auch den um das Seelenheil bekümmerten weltlichen Würdenträgern auf dem Herzen lagen. Da waren es einmal die durch die Glaubens- Spaltung heraufbeschworenen Religionskämpfe, .sodass selbst der Graf von Sulz die Bauern beschwichtigen musste13), dann der ab- scheuliche Hexenwahn, wo selbst ein Weib zu Nendeln darauf ver- zeigt wurde, einen «grossen Föhn» angerichtet zu haben16) und un- ter anderem die feindlichen Heereszüge, welche ausser Not - und Elend verwilderte Sitten zurückliessen. Die Richter kämpften anno- dazumal noch gegen Unsitten, für die uns heute jeder Maßstab ab- geht. Galt es Missetäter zu massregeln, so musste man sie notfalls auf Urfehde schwören, d. h. versprechen lassen, sich wegen der er- littenen Strafe auf keine Weise an der Herrschaft zu rächen. Im Jahre 1529 kam ein Hans Degen, genannt Rolldegen, von Eschen ins Gefängnis. Er schwor Urfehde und versprach, nur an Feiertagen 6
        

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