— 83 — Um 1801 wurde die Musterschule in einer «Darstellung und Übersicht der verbesserten Schulanstalt im Hoch- und Reichsfürst- lichen Marktflecken Liechtenstein» folgender Massen beschrieben: Die zwei Klassen wurden in folgenden Gegenständen unterrichtet: 1. Klasse: in Religion, wohlgesittetem Betragen, Erlernung der Buch- staben, wie auch im Lesen und Schreiben. 2. Klasse: in Religion, wohlgesittetem Betragen, im Schön- und Rechtschreiben, im Diktat- schreiben, im Lesen des Gedruckten und Geschriebenen und im Rechnen.60 Im Wesentlichen wurde der Stundenplan der Muster- schule in den Jahren 1806 — 180701 in allen Schulen der beiden Landschaften eingeführt. Die Entwicklung des Schulwesens schritt unaufhaltsam weiter: denn die Schulidee war auf Wachstum angelegt, ein Vorbild, wie es die Schule in Vaduz ja sein sollte, wäre ohne die Empfehlung zur Nachahmung ein Widerspruch in sich gewesen: das Vorbild ge- nügt sich selbst nicht. Auch deutete das massgebende Beispiel in Österreich auf eine ähnliche Entwicklung in Liechtenstein hin; 1771 war in Wien eine Normalschule errichtet worden, damit sie «in und vor der Stadt und auch auf dem Lande zum Muster diene . . .».62 Die Schweiz hatte schon ein ausgeprägtes Schulwesen erhalten. Liechtenstein durfte keine Insel mehr oder weniger ausgesprochener Analphabeten sein. Die Entscheidung fiel 1805.63 Durch den Erlass der fürstlichen Hofkanzlei vom 18. September 1805 wurde der Grundstein zur neuen Schule gelegt.64 Die sieben Artikel umfassende Verordnung stammt fast wörtlich aus einer Ein- gabe, die Pfarrer Wolfgang Benedikt Schmidt65 im Namen der Geist- lichen der oberen Landschaft verfasst hatte.00 Die Artikel lauten: 60. 1. c, Stundenplan, 1801. 61. Dies trifft besonders nach der Einführung der allg. Schulpflicht zu. 62. Hug, 180. 63. LRA. RA. Fasz. XXIII 24, Schreiben der Hofkanzlei zur Einführung der allg. Schulpflicht. 18. Sept. 1805. 64. 1. c. 65. Küchel, Triesen, 87, 89, Schaan, 77. Wolfgang Benedikt Schmidt stammte aus Forchheim in Bayern, war Erzfrauziskaner in Viktorsberg, dann Prof. der Grammatik in Feldkirch, schliesslich Pfarrer in Triesen und seit dem 18. Marz 1807 Hofkaplan in Schaan, wo er im gleichen Jahre starb. 66. LRA. AR. Fasz. XXIII 24. Geistlichkeit der oberen Landschaft an Menzin- ger. 7. Juni 1805.
        

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