— 61 — I. Kapitel Die Kirchenpolitik Im religiös-kulturellen Gebiete behauptete sich die Tradition weit stärker als im politischen. Gewiss, auch ini staatlichen Leben waren schon vor dem Umsturz Ansätze zu einer politischen Ent- wicklung zu finden, die später ihre Vollendung im souveränen Für- stentum fanden; aber im Geistesleben erhielten Ideen ihre feste Normierung, ehe sie kraft der Souveränität des Fürsten als Gesetz aufgestellt worden waren: die Grenzen sind hier fliessender als im politischen, wo Erlasse die Entwicklung eindeutig markieren. Der Macht neuartiger Ideen konnte sich die liechtensteinische Obrigkeit zu Anfang des 19. Jahrhunderts nicht entziehen, weil in Österreich neue Anschauungen über Kirche und Staat mächtig in das kirchliche Leben eingriffen. Schon unter Maria Theresia (1740 —. 1780) schufen jansenistische und kartesianische Ideen,1 gefördert vom holländischen Leibarzt der Kaiserin, van Swietan,2 und dem lothringischen Haus,3 einen günstigen Boden zur Verbreitung des Josefinismus. Die Aufklärung und die staatskirchlichen Bestrebun- gen des Febronianismus,4 insbesonders das Buch «De statu ecclesiae et legitima potestati Romani Pontificis» trugen Wesentliches zum Aufkommen der Neuerung bei. Der Kampf begann gegen die Jesui- ten.5'Die Entwicklung trieb unter Kaiser Josef II. ihrem Höhepunkt entgegen. Eigenmächtig hob der Monarch Klöster auf,6 und was 1. Holzknecht, 4. 2. Hantsch II, 197. 3. Winter, 32 ff. 4. 1. c., 42 ff. 5. 1. c., 46; Ferd. Maass, Der Josefinismus, Quellen zu seiner Gesch. in österr. I. Bd, Fontes rerum Astriacarum Bd. 71, Wien 1951; vgl. besonders 368 ff. 6. LThK. V, 573.
        

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