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- Bei einem Vergleich der neuen Verwaltung mit der alten Ver- fassung werden wir des gewaltigen Umsturzes bewusst, der durch die Dienstinstruktionen im Fürstentum veranlasst wurde. Die alte Verfassung fiel völlig dahin,58 und mit ihr verschwanden die jahr- hunderte alten Gerichtsgemeinden der Grafschaft Vaduz59 und der Herrschaft Schellenberg,60 die zu einer Einheit zusammenschmolzen. Die früheren Nachbarschaften wurden Gemeinden61 im heutigen Sinne des Wortes. Amteten ursprünglich die Geschworenen als Funktionäre innerhalb der Nachbarschaft,62 während die Richter ihre Aufgabe innerhalb der Gerichtsgemeinde zu erfüllen hatten,63 so trat nun an die Stelle der Geschworenen in jeder Gemeinde64 der «Richter, . . . und nach der Grösse der Population die nötigen Hilfsgeschworenen».60 Verwalteten ehedem der Landämmann und die Richter die beiden Landschaften, so waren jetzt die Ortsgerichte unter Aufsicht des Landvogtes für das Gemeindevermögen besorgt. Das Kollegium der Richter bestand nicht mehr.66 Allein das Ofoer- amt übte die Gerichtsbarkeit aus. Der Beisitz des Landammannes hei 58. An. I, DI. 203 f. 59. KU. 337 f., zur urspünglichen Gestaltung dieser Gerichtsgemeinden; Büchel, Triesen, 159. Der erste nachweisbare Landammann in der Grafschaft Vaduz ist .Takoli Spiegel um 1390; Joh. Georg Mayer, Teiiungsurkunde zwischen Graf Hartmann und Rudolf von Werdenberg vom 2. Mai 1342, JB. (1908) 99 ff.; Schädler, Huldigungsakte, 7 ff.; Kaufbrief, V., 51 ff. 60. LRA. 10. April 1443; Kauf der Burg durch Brandis; P. Butler. Die Frei- herren von Brandis, JB. (1911) 143 ff.; Kaufbrief Sch., 43 ff.; Büchel, Ge- schichte der Herren von Schellenberg, JB. (1907) 5 ff., (1908) 1 ff., (1909) 27 ff.; derselbe, Geschichte des Eschnerbergs, JB. (1920) 5 ff.; derselbe, Regesten zur Geschichte des Eschnerbergs, JB. (1920) 5 ff.; derselbe, Re- gesten zur Geschichte der Herren von Schellenberg, JB. (1901) 177 f.. (1903) 101 ff., (1904) 169 ff., (1905) 87 ff., (1906) 69 ff. 61. Art. XIII, DI. 206; Dierauer, 43 f. Selbst in der Schweiz war der Umsturz während der Helvetik nicht so radikal. Die Unterscheidung von Bürger- gemeinde und polit. Gemeinde milderte den Wechsel. 62. Büchel, Triesen, 159. Die Richter arbeiteten wohl oft in ihrer Nachbarschaft, aber ihre Stellung war nicht durch die Nachbarschaft gegeben; LRA. AR. Fasz. XXII 23; HK. Wien, L 2 — 3, 3 mehrere Akten, 1799 — 1807. 63. KB. 337. Die Richter wurden nicht von der Nacharschaft bestellt. 64. Art. XIII, DI. 206. Vgl. Schnabel I, 151, zu Verhältnissen in Bayern. Die Privilegien der einzelnen Gemeinden verschwanden. Die Kommunen unter- schieden sich nur quantitativ. 65. Art. XIII, DI. 206. 66. Art. I, Art. XII, DI. 203, 206.
        

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