— 44 — zu unterbreiten.106 Hauer war mit scharfem Verstand begabt, phar. tasiereich und ein guter Rechner, in absolutistischen Anschauungen ganz befangen, stand er unter dem Einfluss josefinischer Ideen. Die Inspektionsreise des fürstlichen Hofrates, welche er anlässlich einer Schweizerreise unternahm, sollte für Liechtenstein von entscheiden- der Bedeutung werden.107 Hofrat Georg Hauer leitete die gesamte Ökonomie des fürstlichen Besitzes, und es ist deshalb verständlich, dass er aus dem mit stetem Defizit für die fürstliche Rentkasse arbeitenden Fürstentum108 alles herausholen wollte, um Rückstände aufzuholen und die Einkünfte zu erhöhen.109 Aus doktrinärer Auf- fassung heraus wollte der Hofrat gestalten, was praktisch später unter grossen Opfern des Volkes vollzogen wurde. Am 19. Juni 1808 traf Georg Hauer über Ulm kommend im Fürstentum ein. Von ökonomischen Gesichtspunkten aus begann er mit ausländischer Überlegenheit seine Untersuchungen und über- dachte von den fürstlichen Weinkellerungen an bis zu den kirch- lichen Verhältnissen alles. Die Lage der Dinge im "Fürstentum fand er unvorstellbar primitiv: «Wenn der Schöpfer seyn Schöpfungs- werk vollendet und die ersten Menschen zur Kultur des Bodens an- gesetzt hätte, so könnte -man nicht weiter zurück «ein.» Schuld an diesen unmittelbar nachparadisischen Zuständen waren nach der Meinung des Inspektors die alte Verfassung und die untätigen fürst- lichen Beamten. Mit scharfem Blick erkannte der stolze Inspektor den Mangel an Berufstätigen und das heillose Klebenbleiben am Stückchen Boden, der in endloser Kette durch Erbschaft weiter auf- geteilt wurde, sodass die Grundstücke minuziöse Formen annahmen; es gab «Bäume, die 29 Inhaber haben», und der Hofrat fügte spot- tend hinzu, wenn die Besitzer «sterben, so werden bei zahlreichen Familien so viele Theilnehmer anwachsen, als Blätter am Baum sind».110 Die teilweise sehr nützlichen und weitscbauenden Vor- 106. BH. HK. Wien (1808) L 2 — 14, 41. Die Beobachtungen fasste Hauer in einem längeren Bericht zusammen, der wertvolle Angaben enthält. 107. Vgl. KB. 567 ff. 108. BH. HK. Wien (1808) L 2 — 14, 41. Die Guthaben des Fürsten in Liechten- stein betrugen nach Hauers Angaben 104'000 fl. 109. Tatsächlich steigerte der neue Landvogt die Einnahmen auf 7'000 fl. jährlich. 110. BH. HK. Wien (1808) L 2 —14, 4li
        

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