- 39 — Die unendliche Fülle der Ereignisse um 1800 lässt sich mit we- nigen Begriffen umreissen: Die Revohitionsjahre und der Einbruch der französischen Streitkräfte in Mitteleuropa. Das Fürstentum Liechtenstein litt unter den Geschehnissen ausserordentlich: Auf- gebote,08 Besetzungen, Plünderungen, Gefechte und alles, was mit militärischen Invasionen von Revolutionsheeren zusammenhängt, zehrten an den wirtschaftlichen Kräften des Landes und halfen mit, die alten Einrichtungen aufzulösen. Die unmittelbare Folge der französischen Invasion war ein wirtschaftlicher Tiefstand, der den entschlossenen Zugriff der Obrigkeit und die Abschaffung der alten Einrichtungen rechtfertigte.69 Die Kriegsschäden in den Jahren 1794 bis 1802 sollen fast eine Mallion Gulden betragen haben;70 die Bilanz des fürstlichen Rentamtes schloss in diesen Jahren stets mit einem Defizit ab.71 Doch übte die Besetzung des Fürstentums durch französische Truppen im Jahre 1799 keinen nachweisbaren Einfluss auf die Ge- staltung der politischen Verhältnisse im Fürstentum aus. Durch diese Geschehnisse aber wurden revolutionäre Ideen bis an die Grenzen des Fürstentums getragen. Liechtenstein ist zu klein, als dass es auf lange Zeit hin ausländischen Einflüssen widerstehen könnte. Auch wenn sich die Bewohner des damaligen Fürstentums keineswegs revolutionären Ideen erschlossen, so hörte man doch im Fürstentum von Umwälzungen, man sah den Verlauf der Dinge in der schweizerischen Nachbarschaft, was als psychologische Vorbe- reitung zu ähnlichen Ereignissen im Fürstentum nicht unterschätzt werden darf. Im Jahre 1795 forderten die liechtensteinischen Un- tertanen die Befreiung vom Novalzehnten des Abtes von Bendern;72 denn das zauberische Wort «Freiheit» war in aller Leute Mund. Der 68. KB. 538. 69. DI. 203 ff. 70. KB. 558. 71. LRA. Rentamtsrechnung 1803. Die Rechnungen des Rentamtes schlössen vor der Ankunft Schupplers gewöhnlich mit einem Defizit von einigen tausend fl. ab; z. B. betrugen 1803 die Einnahmen 10'266 fl. 52 kr., die Ausgaben 13'333 fl. 5 kr. 72. HK. Wien L 2 — 1, 9, Schreiben des Fürsten an den Abt von Bendern. 3. Juli 1795. Der Fürst versicherte dem Abt entgegen dem Wunsch der Untertanen die Beibehaltung des Novalzehnten.
        

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