— 168 — Am 24. Okt. 1815 beauftragte die Obrigkeit den provisorischen . Gesandten Sensburg für eine möglichst baldige Entlassung des liech- tensteinischen Kontingentes zu intervenieren. Einen Monat später, als in Paris am 20. Nov. 1815 der zweite Pariser Friede geschlossen wurde, trafen auch die Soldaten wjeder in der Heimat ein.78 Der zweimal in Kraft gewesene Militärvertrag mit Baden sollte nicht ohne grosse Unannehmlichkeiten in Vergessenheit geraten. In finanziellen Angelegenheiten kannte die wie ein Uhrwerk arbeitende Hofkanzlei keinen Pardon. Sie befahl dem Landvogt, die ganze Abrechnung genau zu überprüfen, um so mehr, «als selbst in arith- metischer Hinsicht hierin beträchtliche Rechnungsfehler auffallend» seien.74 Das führte der Landvogt auch durch. Ein umfangreicher Notenwechsel, der an Schärfe nicht, leicht seinesgleichen findet, war die Folge davon.' Der Keim des Zwistes lag schon im Vertrag selbst, da er oberflächlich abgefasst worden war. Man setzte sich nach allen Regeln der Rechtiskunde jahrelang zu, ehe eine Verständigung. gefunden werden konnte. Die Militärverträge an sich sind nicht von allzu grosser histo- rischer Bedeutung für das Fürstentum. Von weit grösserer Trag- weite als jene Bündnisse sind die Garantien, die im Zusammenhang damit von den Alliierten gegeben wurden. Dabei spielten die per- sönlichen Beziehungen des Fürsten, sein Ansehen und seine charak- tervolle Persönlichkeit immer wieder eine grosse Rolle, selbst wenn weitgehend Metternich die Politik in der damaligen Welt leitete und das Fürstenhaus in seiner Stellung zu ihm anfänglich gespalten war.75,Wohl hatte der geniale Rheinländer oft den Salon der Für- stin Eleonore Liechtenstein aufgesucht, die Gefallen am jungen Klemens gefunden hatte, dessen ruhige Ansichten und politische Urteile sie stets beeindruckten. In jenem Kreis hatte der junge Di- plomat seine gesellschaftliche Bildung im Wienerstil vollendet.76 Dennoch schienen die Beziehungen Metternichs zum regierenden 73. 1. c, 241/poI., Schuppler an Sensburg, 24. Okt. 1815. Das Kontingent erlitt diesmal keine Verluste. Die meisten Soldaten waren schon am 15. Nov. zurück. 74. 1. c, 168/pol., Hofkanzlei an Schuppler, 3. Okt. 1816. 75. Srbik, 186. • 76. 1. c, 81 f., 86.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.