— 166 — Abermals stellte Liechtenstein ein Kontingent. Am 3. April 1815 wandte sich die Hofkanzlei an Schuppler und erklärte, dass die unerwarteten Ereignisse wieder die Stellung eines Kontingentes er- fordern dürften.5" Tatsächlich traf das Geahnte ein. Das Aufgebot brachte den Landvogt in nicht geringe Verlegenheit, weil er den im Vorjahre ausrückenden Rekruten feierlich versprochen hatte, dass sie in Zukunft von jeder Dienstpflicht frei sein würden.60 Aber die«Kriegsministerialverordnung» vom 28. März 1815 verlangte das Aufgebot der Kontingente so, wie sie im vergangenen Befreiungs- kriege zurückgekommen waren.61 Bis zum 15. April musste das Kontingent gestellt sein.62 Der Landvogt sträubte sich energisch, erneut eine Truppe aufzustellen: «Der Unterthan, der ohnehin schon der grossen Schuldenlast und der Missjahre wegen in einem jedes menschliche Gefühl rührenden Elende schmachtet, der dieses Jähr Schulden machen musste, um nur seinen und der Seinigen heissgierigen Hunger zu stillen, der mehrere Jahrzehnte hindurch alles wird aufbieten müssen, um die Schulden abzutragen, die er die letzten/Zeiten durch Beschaffung der Lebensbedürfnisse machte, der im vorigen Jahre nur noch mit der Aussicht auf bessere Zeiten getröstet werden konnte, und nur in Anhoffnung der Erfüllung dieses Trostes sich in die letztjährigen Anstrengungen fügte, dieser Unterthan wird, der nun nichts mehr zu gewinnen, nichts mehr zu verlieren hat, sich der Verzweiflung überlassen und schwer mit Vernunftgründen geleitet werden können.»63 Besser könnte keine Statistik und keine Schilderung das tiefe Elend und den brutalen Jammer aufzeigen, als die Worte des Landvogtes selbst. Die Verhandlungen zur Unterbringung des liechtensteinischen Kontingentes in grössere badische Militärformationen begannen aufs Neue.64 Diesmal unterhandelte nicht mehr Schmitz von Grollen- 59. HK. Wien Nr. 1423, Hofkanzlei an Sehuppler, 3. April 1815. 60. LRA. SR. Fasz. C 2, Rede Schupplers, 23. Febr. 1814. 61. 1. c. Fasz. C 4, Bericht Schupplers, 5. April 1815. 62. Vgl. Aarauer Zeitung, Jahrg. 1815, Nr. 78; Augsburger Postzeitung Jahrg. 1815, Nr. 140; Der Telegraph für Graubünden,, Jahrg. 1815, Nr. 4. Schupp- ler erliess in einer Reihe ausländischer Zeitungen Aufrufe, um die Dienst- pflichtigen zurück zu rufen. 63. LRA. SR. Fasz. C 4, 80/pob, Bericht Schupplers, 17. April 1815. 64. 1. c, Sensburg an die Hofkanzlei, 29. Jan. 1815.
        

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