— 156 — Damit fand ein mühsames Kapitel der Geschichte Liechteri steins seinen Abschluss. Der Einfluss des Gesandten auf die geschil- derten Ereignisse war massgebend, obwohl seine wesentliche Tätig- keit im kaufmännischen Rechnen, im Kontrollieren der Rechnungen für das Kontingent, sowie im kommentarlpsen Anhören von Be- fehlen bestand. Schmitz Grollenburg tat jedoch sein Bestes. Es ist beschwerlich, Gesandter eines wehrlosen Staates bei einem über- mächtigen Diktator zu sein. Wenn Fürst Johann an Grollenburgs Rivalen Floret schrieb, dieser Grollenburg habe das «halbe Liech- tenstein aufgefressen,»70 so kann das daraus erklärt werden, dass der Fürst als österreichischer Feldmarschall den Geschäften seines Gesandten keine besondere Sympathie entgegenbringen konnte, zu- mal Schmitz Grollenburg für seine Dienste den hohen Betrag von jährlich 1450 fl. bezog.71 Als grösstes Verdienst des Gesandten mag aber der Sonderver- trag mit Nassau von 1809 gelten. Freiherr Schmitz von Grollenburg wollte für das Fürstentum Menschenleben retteni und das gelang ihm. Man könnte hier einwenden, es wäre für Liechtenstein viel- leicht besser gewesen, die Soldaten zu stellen, als durch schwere Zahlungen das Vermögen des Volkes zu ruinieren. Dagegen muss der Sondervertrag in Schutz genommen werden: man bedenke, welch grosse Verluste durch Kampf, Hinterhalte und Gefangen- nahme den französischen Truppen in Spanien, wo sich das von Liechtenstein finanzierte Kontingent befand, beigebracht worden sind! Zu Ende des Krieges soll die nassauische Brigade auf einige hundert Mann zusammengeschmolzen sein.72 Die Erfolge Schmitz Grollenburgs kann man nur bei der Erwägung der ungeheuren Opfer, welche andere Satellitenstaaten Frankreichs sowohl an Geld, als auch an Menschen bringen mussten, recht würdigen. Der grösste Rheinbundstaat Bayern zahlte einen erschreckend grossen Blutzoll an Napoleon.73 Die sonst von Napoleon bevorzugt behandelte Schweiz entrichtete schwere Tribute.74 70. HHSTA., Kleinere Betreffe, dipl. Korrespondenz, 6a, Liechtenstein 1806 — 1840, Fürst an Floret, 27. Nov. 1813. 71. LRA. SR. Fasz. C 1, 101/pol., Hofkanzlei an Schuppler, 17. Febr. 1810. 72. 1. c, ad. 230/pol., Bericht Schupplers, 24. Febr. 1813. 73. Schnabel I, 493. 74. Gagliardi, 1190 f.
        

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