— 258 — vergessen und unbeachtet, im Sägemehlraum der Genossenschafts- säge in Ruggell. Auch in der Gemeinide Schellenberg ist der Begriff «Rooss» noch lebendig. Ich selber hörte dort noch etwa sagen, man werfe den Abfall (altes Eben, Scherben usw.) «i t'Rooss». Im Vorder- schellenberg hatten beispielsweise die Familien Elkuch, Wohlwend und Goop eine gemeinsame Rooss, das heisst der dortige natürliche Wassertümpel diente diesen Familien als Flachsrooss. Der Hanf hin- gegen sei in Schellenberg auf den Wiesen ausgebreitet worden (Feldbeize). An der Landstrasse längs dem Rietle, gerade unter dem alten Schloss, sah maii bis vor wenigen Jahren noch merkliche Vertie- fungen. Diese rührten Von ehemaligen Roossen her, die nach An- gaben eines zuverlässigen Gewährsmannes gegen einander mittels Holzeinbauten abgegrenzt waren. Auch diese Rossen wurden in den letzten Jahren .allmählich mit Abfall und Strassenabraum ausge- füllt. Als Flurnamen erinnern in Schellenberg (Sb. II) noch «im ross», «t'Roossa», «im Rossaoker» an den früheren Hanf- und Flachsanbau. Auch auf dem Gebiete der Gemeinde Mauren verdanken heute noch einige Parzellen den Roossen ihren Namen, es heisst dort auf der Flur VII «in der Roos». Die Bevölkerung sagt heute allerdings «im tros», wohl ein Hinweis dafür, dass hier das Wissen um die Entstehung dieser Bezeichnung schon verloren ging. Eine recht interessante Entwicklung nahm das Wort «Rooss» in Triesen. Ganz nahe am Dorf, unterhalb einer sonnigen, heute mit Weinreben bewachsenen Halde hatten die alten Triesner ihre Roos- sen. Die Verhältnisse waren hier äusserst günstig, denn einige er- giebige Quellen und ein kleiner Bach sorgten für genügend Wasser. Wie wir bereits gesehen haben, sagten die Unterländer für eine Mehrzahl von Roossen «Rossen», die Triesner hingegen sagten hie» für «Rösser». Nachweisbar wurde früher für diese Gegend nicht wie heute «Röser» sondern «Rösser» geschrieben. Bekanntlich kommt der ausgezeichnete Wein, der in dieser Sonnenmulde wächst, unter dem Namen «Röser» in den Handel. Vielleicht erinnern wir un« bei einem Glase dieses herrlich mundenden Tropfens auch an die in- teressante Herkunft seines Namens.
        

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