- 256 - heize oder Rasenröste, wurde hei uns vor allem in der Notzeit des 1. Weltkrieges, welche die Hanf- und Flachskultur nochmals etwas zur Blüte brachte, fast ausschliesslich angewendet; Neben dieser Feldbeize wurde in früheren Zeiten ein rascheres Verfahren angewandt, das zudem noch den Vorteil hatte, dass die Fasern sich dabei nicht so dunkel färbten. Statt die Garben auf der Wiese auszubreiten, wurden diese in eine «Rooss» ') gelegt. Als Rooss diente meistens eine Sumpfwiese mit stehendem Wasser und, wo keine natürlichen Tümpel vorhanden waren, wurden künstliche geschaffen und mit Wasser angefüllt. Auch kleine Bachbette wurden hin und wieder als Roossen verwendet. Bei Roossen mit stehendem Wasser konnte der Fäulnisvorgang gut beobachtet werden. Sobald ein übler Geruch sich hemerbar machte und das Wasser schleimig wurde, war der Hanf oder Flachs «ross» (= gar) 
2). Solche Roossen gab es früher hei jedem unserer Dörfer, je nach Umfang des Hanf- und Flachsanbaues, in kleinerer oder grösserer Anzahl. Vielfach hatten 2 oder -mehrere Familien zusammen eine gemeinsame Rooss. Diesen Roossen haben nun folgende Fluren und Parzellen ihre Namen zu verdanken. In Schaan gibt es eine nun schon teilweise überbaute Flur mit Namen «Rösle». Hier geht es keinesfalls etwa um die Königin der Blumen, um die Rose, sondern um eine kleine Rooss, eben um ein Rössle. Eine Urkunde aus dem 18. Jahrhundert (Schaaner Pfarr- archiv) enthält ausdrücklich die unmissverständliche Flurbezeich- nung «hey dem Rössle». Es war dies eine der in der Rheinebene früher zahlreich verhandenen Vertiefungen (Schlatte !), die vielfach mit stehendem Wasser angefüllt waren, also natürliche Roossen darstellten. ') Es ist schwer, dieses alte Dialektworl schriftlich richtig wiederzugeben. Nach- dem es mit gedehntem o und einem scharfen s am Schluss ausgesprochen wird, schrieb ich es mit Doppel -o und einem scharfen 8. Fürstl. Rat Joseph Ospelt schrieb das Wort in seiner Fltirnamensammlung je nach Gemeinde verschieden. -) Das von uns heute noch häufig verwendete -rooss' für arg, sehr, stark, gar, dürfte wohl mit diesem TOOSS" aus der Zeit der Hanf- und Kiaehskiiltur im Zusammenhang stehen.
        

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