— 240 - Prof. Nigg meinte). Die Holztafel ist auf der einen Seite mit der Marter mit Leinwand sorgfältig Überspannt. Deshalb scheint diese Seite ohne Holzrisse und Wurmfraßspuren. Dann wurde beidseitig mit reiner Kreide grundiert und darauf die Zeichnung aufgepaust. Die Pausspuren sind im Grund teilweise noch sichtbar. Die gepauste Zeichnung wurde mit grauschwarzer Farbe in Pinselstrichen nach- gezogen, und dann begann die Farbanlage. Ich erwähne dies, weil dieser technische Vorgang durch die besondern Bedingungen dieses Bildrestes deutlich sichtbar sind, durch eine Restaurierung aber eingedeckt werden. Goldgrund ist auf unserer Tafel nicht vorhan- den, hingegen zeigen eingepauste Heiligenscheine in der Darstellung der Märtyrer, dass man möglicherweise solche zu vergolden vor- hatte, was in der Ausführung dann unterblieb. Dies geschah in. E. weniger aus Gründen der Einsparung als vielmehr aus dem künst- lerischen Empfinden, dass die Komposition dadurch unruhig be- einträchtigt würde. So wurde dann selbst der Schein um Christi Haupt in Farbe ausgetragen. Beide Seiten des Flügels sind von glei- cher Malart und Form und auch mit gleicher Sorgfalt ausgeführt, so dass hieraus nicht zu schliessen wäre, was für den offenen Altar als Schauseite gedacht war. Für mich steht fest, dass die Geisselung Christi zum offenen Altar gehört hat. Dafür stehen folgende Gründe : vorerst war die Darstellung aus der Passion, — wir haben uns als Gegenstück sicher eine andere Szene aus der Leidensgeschichte des Herrn, etwa öl- berg, vorzustellen, —- ein religiös weit bedeutsamerer Gedanke als das Martyrium der Zehntausend : dann spricht gerade der schlechte Erhaltungszustand für diese Meinung. Diese Seite ist deshalb viel stärker geschädigt, weil sie den mechanischen Schädigungen beim Schmuck und Rcinhalten des Altars, den Einwirkungen von Rauch, Kerzenruß und Wachsflecken usw. viel mehr ausgesetzt war, denn der Altar stand wahrscheinlich die mehrere Zeit des Jahres offen, Die andere Seite stand also regelmässig gegen die Wand gekehrt und war damit geschützt. Die gleiche Feststellung machte ich an den Flügeln des Altars der Mamertuskapelle in Triesen. Dort wurden die Vorderseiten schon früh mit barocken Darstellungen überstri- chen, weil sie eben unter den gleichen Bedingungen unansehnlich geworden, während der Englische Gruss auf der Rückseite «ich bis
        

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