— 68 — ihn findet. Die Grundformen des damals neuen Stils (Jugendstil) werden bewußt und geschickt übernommen und ausdrücklich betont. Damit wird die Arbeit unseres jungen Mannes zeitgebunden und ver- schreibt sich auf zeitlichen Erfolg. Wir müssen ihn allerdings hierin verstehen. Er hat sich als freier Künstler in den Wirbel von Berlin hineingeworfen und ringt in diesem Strudel ums tägliche Brot. Es braucht Rührigkeit und Anpassung und zudem ein gut Stück Glück, dabei durchzukommen. In dieser Zeit unterschreibt sich unser Mann auf seinen Papieren mit „F. N., Maler" und figuriert auch so in den Berichten der Magdeburger Schule. Er ist also Maler, und wenn auch keine einzige Arbeit hinterlassen ist, die man schlecht- hin und nach gemeiner Auffassung als Malerei ansprechen würbe. Er müht sich mit Mut und Zähigkeit um seine Existenz und um seine Kunst, macht beharrlich die Wettbewerbe mit für Plakate, Reklame, Illustrationen, kunstgewerbliche Entwürfe für Textil- und neuzeit- liche Glasarbeiten, Schriftentwürfe und derartiges mehr. Sein Fleiß und Mut bringen ihm Erfolg. Bei zahlreichen Wettbewerben findet er „lobende Anerkennung" und Auszeichnungen und, was für ihn wichtig ist, auch zuweilen ein ganz hübsches Honorar. Die prämierten Entwürfe werden publiziert und besprochen, — er findet Beachtung in der Presse und Zugang zu den Fachzeitschriften. Der in seiner Auswirkung vielleicht bedeutungsvollste „Schlager" gelang ihm mit seinem Entwurf für das Plakat „Deutsche Städte-Ausstel- lung 1903", abgegeben im Vorjahr 1902, wobei er bei 81 Bewer- bern aus den verschiedensten Gauen Deutschlands mit dem ersten Preis oben ausschwamm und nette 600 Mark einheimste. Die Dar- stellung war die klare, wirkungsvolle Silhouette einer stehenden Frau in schwarzem Gewand mit einem städtischen Baumodell auf ihren Händen. Der Entwurf zeigte eine ganz meisterliche Beherr- schung der Bildfläche und edles Formgefühl. Das Plakat war für Fachkreise und für die breiteste Öffentlichkeit bestimmt. Der eigent- liche Erfolg jedoch lag darin, daß man auf den kleinen Maler in Berlin nun doch.aufmerksam wurde als auf einen Mann, der etwas konnte und zudem dem Zeitgeschmack entsprach. Dies trug nun sicher viel dazu bei, ihm die Lehrstelle in Magdeburg anzutragen. Wir werden allerdings heute noch das klare, bewußte Gestalten solcher Arbeiten mit aller Hochschätzung anerkennen, und dennoch mutet es uns an wie eine Ironie des Schicksals, daß diese Dinge so viel von
        

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