— 66 — Es war die Eigenart Niggs, seine Arbeiten mit dem ganzen oder gekürzten Namenszeichen zu versehen. Auch kleinste Blättchen tragen dieses Signum, manchmal allerdings, wie die Handschrift zeigt, erst in späteren Jahren aber von ihm selbst beigefügt. Leider aber tragen nur die Jugendarbeiten auch einen Zeitvermerk. Ein kleinerer Teil der Blätter ist leicht ans Eorrespondenzen und beson- dern Umständen zeitlich festzulegen wie etwa Wettbewerbe, ver- öffentlichte Zeichnungen, Studien aus Augsburg und dgl.; der Großteil des Nachlasses ist jedoch aus stilkritischen Gründen zeitlich einzuordnen und dies, wie mir scheint, ohne allzu große Schwierig- keit und Unsicherheit. Es kann für diese Darlegung genügen, drei zeitlich und stilistisch klar ausgeschiedene Stufen festzulegen: die mehr schulmäßigen Frllharbeiten, die Arbeiten in Berlin und Magdeburg im dama- ligen Zeitstil (Jugendstil) — und seine reife, persönliche Arbeit in Köln und in den letzten Lebensjahren daheim. Gerade die strenge Abgeschlossenheit dieser letzten Jahre, das „Mitsichalleinsein" zei- tigte vom Schönsten und Wertbeständigsten in seiner Arbeit. Der eigentümliche Umstand, daß der Künstler nur selten jemand einen Einblick in seine Arbeit gewährte, — so hielt er es schon an der Schule mit seinen Kollegen und Schülern, — läßt heute das Werk Niggs erscheinen wie einen zufällig entdeckten, kostbaren Fund. Es bedarf vorerst einer ruhigen Vertrautheit mit der Sache, um deren ganze innere Schönheit zu erfassen. Da überdies die Blätter nicht in letzter Reinschrift vor uns liegen und zum Großteil nur ernste Studienarbeit beinhalten, spricht ihre innere Kraft nicht für je- den klar genug. Wo aber entsprechende Voraussetzung für das Verständnis geschaffen werden kann, sei es durch einführende Vor- träge oder, — was so wünschbar wäre, — durch geeignete Aus- stellung, wird sich kaum jemand dem mächtigen Eindruck einer sol- chen Kunst entziehen können, sei er künstlerisch gebildet oder Laie. Es wird sicher heute wenig Kunst geschaffen, die aus ehrlicherer Empfindung heranreift als ein Großteil dieser Blätter Niggs. Die „Fertigarbeiten" d. h. die im Nachlaß vorhandenen Stik- kereien kleineren und größeren Formats zeigen naturgemäß diese Entwicklung weniger ausgeprägt. Das technische Ausdrucksmittel bleibt wesentlich gebundener als der freie Stift und wird nur in
        

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