— 60 — der Schule selbst d. h. den Schülern und Kollegen. Das Vorgehende ist gewissermaßen ein Auszug aus der hinterlassenen Briefschaft; hier mag einiges im Wortlaut folgen. „Als ich 1927 nach Köln berufen wurde, lernte ich auch meinen neuen Kollegen, Professor Nigg, kennen. Schmal und grauhaarig und karg an Worten, war der Eindruck meiner ersten Begegnung. Ich interessierte mich, was von ihm an Graphik existiert und fand darin nicht viel; ich bekam auch nichts bei ihm zu sehen, was freie oder angewandte Graphik war. Wohl kenne ich Kol- legen, die ausschließlich Graphik bei ihm studiert haben. Dagegen war es für mich sehr eindrucksvoll, seinen fast klosterstrengen Geist von Schülerinnen zu sehen, die durch ihn in einer für mich bis dahin unbekannten Art zu ungewöhnlich freier Schaffensmöglichkeit an- gehalten wurden. Die naive und eigenartige menschliche Äußerung konnte sich hier frei entfalten, ohne der Bindung, richtig darzustellen, zu unterliegen. Phantasie, Farbe und Eigenartigkeit der Technik sind wohl die Hauptmerkmale seiner Lehre. So still und abge- schlossen, wie er in seinem Kreise schuf, unmerkbar und still ver- schwand er für mich aus unserem Kollegium. Mit Ehrfurcht erinnere ich mich gern meines Kollegen." Prof. Hch. Hußmann, Köln „ Er war uns im wahrsten Sinne des Wortes ein guter Vater, Lehrer und Freund geworden. An den Arbeiten seiner Schü- ler nahm er stets Anteil. Kennzeichnend für unsern Lehrer war, daß er nie über sich selber redete, vielweniger uns seine Arbei- ten zeigte. Dazu war er viel zu bescheiden und anspruchslos. Arbeit war für ihn das Leben. Er zeigte uns sehr gute Abbildungen aus der romanischen, frühgotischen, barocken Stilperiode, auch sollten wir uns die chinesische und japanische Kunst zum Vorbild nehmen. Er stellte die höchsten Anforderungen an die Kunst. Ein lobendes Wort hörten wir selten, auch einen wirklichen Tadel, denn er wollte uns die Freude an unserer Arbeit nicht nehmen. Durch die guten Vor- bilder, die er uns zeigte, um uns auf den richtigen Weg zu führen, sah der der Schüler selber ein, daß das, was er schuf, nicht das Wahre war. Lobend müssen wir alle anerkennen, daß er jede Be- gabung förderte und uns seine künstlerische Ausfassung, wie es so öfter bei ausgesprochenen Persönlichkeiten ist, nicht aufzwang. Da-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.