— 56 — ' der bedürftigen Bergbevölkerung zu Verdienst zu verhelfen, wollte er seine Stickereien einsetzen. Jede Haushaltung sollte ein gutes Original als Muster bekommen, das sie nachsticken und um teures Geld verkaufen könnte. Es würde sich so mit der Zeit eine kultivierte Hausstickerei bilden, die guten Ruf und Absatz für ihre Erzeugnisse finden mühte. Er war bereit, dafür ein Stück seiner Lebensarbeit einzulegen. Nachdem der Gedanke hier nicht durchzubringen war, suchte Nigg Anschluß an das schweizerische Heimatwerk. Es blieb auch dort bei einigen sreundlichen Briefen. So gut und uneigen- nützig das Vorhaben auch war, Nigg stieß auf völlige Verstiindnis- losigkeit, hatte seinen Ärger und puppte sich noch enger ein. Wie emsig der alternde Künstler noch gearbeitet bis in seine letzten Wochen, das beweist sein nachgelassenes Werk. Durch un- glücklichen Sturz hatte Nigg sich eine Hand gebrochen und trotzdem wollte er von seiner Arbeit noch nicht lassen. Es brauchte einige List, ihn der Spitalpflege zu überbringen. In raschem Zerfall löste sich hier der kümmerliche Rest des Lebens und erlosch am 1V. Mai 1949 gegen Mitternacht, wie ein Tag, der in den nebligen Abend versinkt. Es war ein braves, arbeitsreiches und gütiges Leben gewesen. Der Welt die Augen zu schließen, war dem biederen Mann nicht schwer, er hatte ja längst nichts Gutes mehr an ihr gesehen, die Kunst aus der Hand zu geben, dagegen sträubte sich sein zäher Künstlerwille, bis mit dem Herzen auch dieser brach. Das Leben zu gestalten war in seiner Hand, und es ist aller Hochschätzung wert, wie er das getan, den Tod mußte er nehmen, wie er kam. Was aber das sterbliche Leben Gutes geschaffen, wird sein unsterbliches Leben beseligt weiter tragen.
        

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