— 50 — Mitarbeiter gehabt, den bei seinem Weggehen unsere besten Wünsche begleiten." (11. Mai 1898). Auch hier in Augsburg arbeitete Nigg neben seiner Stellungsarbeit noch viel in der freien Zeit für sich und beabsichtigte sogar, einen Teil seiner Zeichnungen von den ver- schiedensten Winkeln Augsburgs als Ansichtskarten herauszugeben. Es blieb beim Vorsatz, denn wie er im Frühling die Vögel wieder pfeifen hörte, litt es ihn nicht länger. „Ohne Sang und Klang", wie ihm seine Freunde vorhielten, aus München verschwunden zu sein, verzog er sich aus Augsburg und zwar geradeweg? nach Berlin. Es war überraschend und ungewöhnlich kühn für den stillen, jungen Mann, sich ausgerechnet in die Großstadt zu werfen. Sicher war es nicht der Eroßstadtrummel, was ihn anzog, — grundsätzlich wird er sich wie in München so auch hier mit seiner Arbeit irgendwo verkriechen, um allein zu sein, und wie eine Schnecke seine Fühler einziehen, wenn jemand in die Nähe kommt, — aber in so einer Stadt brauchte man so allerlei, was er auch konnte, und da würde schon auch für ihn was zu tun sein. Er ließ sich als freier Künstler, als „Maler" nieder. Unter diesem Schild ließ sich ja allerhand anfangen. Es war, besonders nach seinem bisherigen Entwicklungs- gang, ein eigentliches Wagnis; aber Nigg verließ sich auf gut Glück und seinen Fleiß. Schließlich blieb ihm ja immer noch übrig, in ir- gendeiner Offizin sein Handwerk weiter zu treiben und sein Brot zu verdienen. Der mutige Schritt zeigt uns deutlich genug, daß der junge Mann jedoch etwas anderes vorhatte. Es trieb ihn innerlich weiter, sein eigentliches Künstlertum war regsam geworden und lockte ihn höher hinaus, um, nicht in der langweiligen WerZstatt- arbeit zu verkümmern. Der Anfang war hart. Der „freie Künstler" mußte sich in Berlin mit allem herumplagen, was irgendeinen klei- nen Verdienst einbrachte. Zu sparen war er gewohnt, aber manch- mal wurde ihm doch recht eng. Dazu war er öfter leidend und zwar mit seinen Nerven, wie er meinte. Er klagte seinen Freunden und dachte, von Berlin wieder wegzukommen. Die Freunde schlugen ihm vor, wieder nach München zurück zu kehren: ihnen lag das Kom- pagniegeschäft wieder im Kopf. Tatsächlich ließen sie sich mit einem Russen sin und gründeten eine Firma, in der gezeichnet, photo- graphiert und reproduziert werden sollte. Nigg sollte zeichnen und lithographieren und Teilhaber an der Firma sein. Alle könnten leben aus dem neuen Geschäft, versicherten die Freunde, er sollte doch
        

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