— 47 — wollte, entweder der freundlich lächelnde Bekannte oder das unzu- gängliche Noli-me-tangere. Die harmlosen Sonderlichkeiten seines Wesens entwickelten sich im Alter zu Zwangsvorstellungen und einer leichten Misanthropie. Aufgewachsen ist Nigg im oberen Mühleholz bei Vaduz, von fünf Eeschwisterten das Zweitjüngste. Sein Geburtstag war der 27. Nov. 1865 und am 29. sein Tauftag. Die Eltern waren Ferdinand Nigg, eigentlich Balzner, aber ansähig in Vaduz, und Anna Rhein- berger von Vaduz, aus dem Löwen. Das Elternhaus war die obere Mühle, die die Eltern erwarben und zum Unterhalt der Familie be- trieben. Da war allerlei Umtrieb für die Jungen und auch der Schul- weg war lang und unterhaltlich. Der Vater kränkelte lang. Noch im Sommer 1875 hoffte er sich Erholung durch einen Aufenthalt in Churwalden, aber bald im August schrieb er an seine liebe Frau: sie möchte doch kommen und ihn holen, er könnte allein nicht mehr auf Weg. Am 17. Sept. schon starb er „nach langem Leiden im 37. Lebensjahr", wie es in der Todesanzeige heißt, leider allzufrüh für die Familie. Die geprüfte Frau verkaufte die Mühle, zog mit ihren Kindern ins Dorf und führte im „Eäßle" ein Liidele für den nötigen Unterhalt. Zur Mutter hatte Ferdinand, so lange sie lebte, eine zartkindliche Zuneigung, war oft bei ihr und verewigte später diese Liebe durch Stiftung von zwei selbstgestickten Wandbehängen zu ihrem Andenken an die Duxtapelle in Schaan. Auch die Mutter starb früh weg am 5. Januar 1894, ebenfalls nach „langer, schwerer Krankheit, im Alter von 54 Jahren". Die Todesanzeige ist im Namen aller von Ferdinand unterschrieben. Ferdinand war ein schwächliches, zartgewachsenes Kind, mehr Mädchen als Bub, und der Mutter Liebling, jedenfalls weil sie sich um sein Aufkommen ängstigte. Er besuchte in Vaduz die Volksschule und die Landesschule (Realschule) und konnte stricken und nähen wie ein Mädchen. Der Schild eines Schulheftes zeigt die ersten er- haltenen Zeichnungsversuche unseres Jungen, zarte Blumenranken. Man wußte nicht recht, was anfangen mit dem schwächlichen Buben. Da brachte ein glücklicher Zufall die Lösung. Peter Balzer, Zeichner im Atelier Orell-Füßli in Zürich, selbst Halbliechtensteiner und von Mutterseite verwandt mit Löwenwirts, schrieb an den damaligen Vorsteher Rheinberger in Vaduz, den Bruder der Mutter unseres
        

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