— 211 — Sie sagen fürs erste, daß man Euch mit dem Straßenbau auf einmal und bei einer so harten Zeit, wo jeder Bürger im Sommer für seine Haushaltuug zu tun hat, belaste. Hier fordere ich einen jeden braven Vorsteher einer Gemeinde auf, mir mit reiuer Wahrheit zu ge- stchen, ob der Landesfürst und das Amt den Vorwurs verdiene. Wann hat man Ench zur Straßenarbeit gezogen, da Feld- oder andere Arbeit an der Tagesordnung war? Ich berufe mich auf das Zeugnis der Balzerer, Vaduzer und Schaaner Gerichte, daß erst in den letzten Tagen, als Euere Anstrengung bei den Wuhrungen notwendig war, das Amt von der augenblicklichen Straßenarbeit abstund, und so war es durch die Zeit meines Daseins immer, wenn wahre Beweggründe vorgelegt wurden. Die Straßenarbeit ist eine Schuldigkeit, die fast in der ganzen Welt von den Untertanen bestrittcn wird, um die sogar, wie ihr es Wohl von Vorarlberg wißt, sich mehrere Gemeinden gerissen haben, und Ihr allein wollt darin eine unerhörte Last finden. Fürs zweite wollt uud verlangt Ihr, daß nach althergebrachten Rechten wieder ein Landammann angestellt, die alten Land- und Gant- rechte dnrch Landammann nnd Landwaibel gesührt, und in jeder Ge- meinde die Richter wie vor aufgestellt werden sollen. Dies, Geliebte, ist eine versteckte Empörung gegen Eueren Fürsten; Ihr seid keine Re- publikaner, sondern Untertanen eines Landesfürsten, in dessen Macht es liegt, die Ausübung der Gerichtsbarkeit nach dem Er- fordernis der Zeit umzumodeln; zur Gerichtspflege habt Ihr als Untertanen nie ein Recht gehabt; Ihr habt auch keines verloren, und wenn Ihr nunmehr glaubt, daß niemand da ist, der sür das Land redet, so weise ich auf Euere Richter und Gemeindevorsteher hin, die an die Stelle des Landammanns getreten sind und nnn mit mehr Nachdruck als zuvor das Wohl ihrer Gemeinden vertreten können. Und ich frage Euch, würde die Gerichtsbarkeit durch den Land- ammann und Landwaibel geblieben sein, wenn Ihr unter das Szepter eines anderen Fürsten gekommen wäret; würde unter jeuem nicht eben eine Veränderung geschehen sein? Zudem ist diese Veränderung zu Euerem Glücke, weil es immer besser ist, daß das Amt die Rechtspflege ausübe, als daß jemand Dritter unvollkommen darin einschreite. Zudem habt Ihr ja Vorgesetzte in Enerer Gemeinde, denen gewisse Geschäfte, als die Schuldsacheu unter 25 fl,, dieZinsencinhebungcn und die Exekutions- sührnngen vom Amte überlassen sind, bei denen Ihr Euch, weun Euch der Gang zum Amte beschwerlich wird, vergleichen könnt und nicht die geringste Ursache aufweisen könnet, aus der die vorige Verfassung ge- wünscht werden könnte, — Ist etwa einer unter Euch, der durch meine Amtsleitung unzufrieden ist, der trete auf und führe seine Beschwerde,
        

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