— 177 — Zwecke für die Wähler 30V bis 400 fl. aufwenden mußte, so daß er unter Umständen ruiniert werden konnte, wenn er kein Vermögen besaß. ') Die Zahl der Streitigkeiten und Prozesse, die aus den mangelhaften Amtshandlungen der Landammänner hervor- gingen, stieg bei dem geringen Respekt, den ihre Aussprüche fanden, naturgemäß in unglaublicher Weise; nicht minder ver- vielfältigten sich die Zusammenkünfte der Gerichte und daher cmch die bezüglichen Kosten. Da die Gerichtspersonen sich nebstbei jeden Schritt nnd Tritt von den Parteien be- zahlen ließen, erwuchsen den letzteren viele unnötige Auslagen. Wie beschaffen die Verwaltung und die Rechtsprechung, war, die unter der Ägide der Landammänner vor sich ging,, mag daraus entnommen werden, daß ein großer Teil der Richter weder lesen noch schreiben konnte.-) Diesen anarchischen Zuständen machte der Fürst ein Ende, indem er das seit der Auslösung des deutschen Reiches ohnedies hinfällig gewordene Institut der Landam- männer, welches sich zuletzt nur als Karrikatur einer öffent- lichen Einrichtung darstellte und geeignet war, das Land all- gemeinem Spotte auszusetzen, mit 1. Jänner 1809 ausdrück- lich aushob und gleichzeitig verfügte, daß von dem nämlichen Zeitpunkte an die von den Landammännern ausgeübte Judi- katur an das fürstliche Oberamt in Vaduz überzugehen habe. ̂) 1) Bericht Menzingers vom 12. Juni 180S, L. R. A. (alte Registratur, Faszikel 1.) Die Überlieferung großer Schwelgereien, zu welchen die Landammannswahleu Anlaß gaben, hat sich bis in die Gegenwart er- halten; in Vaduz soll einmal bei Gelegenheit einer solchen Wahl der Wein aus Kübeln getrunken worden sein; der Gewählte wollte den Wählern offenbar in protziger Art seine Würdigkeit zum Amte beweisen. 2) Vgl. Büchel, S. 86; der Kooperator Püinpel (gest. 1816) war von der Gemeinde Trieson wegen mangelhafter Versehuug der Schule beim bischöflichen Ordinariate in Chur verklagt worden; über den Vor- wurf, daß er nichts leiste, verantwortete er sich damit, daß dies die dummen Bauern gar nicht beurteilen können, da selbst von den Richtern die meisten weder lesen noch schreiben können; er könne aus Ochsen und Eseln keine Nachtigallen machen. 3) Nach Kaiser, der an der Regierung der Fürsten aus dem Hause Liechtenstein überhaupt keiu guteS Haar läßt, vollzog sich die Aufhebung des Landammannamtes uuter ganz anderen Gesichtspunkten; er schreibt
        

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