— 166 — dies zu verbieten. Da kam den? Fürsten ein unerwarteter Um- stand zu Hilfe. Bei einer Truppenschau, die Napoleon am 12. Oktober zu Schönbrunn vornahm, wurde ein Jüngling angehalten, der sich wiederholt auffällig in die Nähe Napoleons gedrängt hatte; es war der noch nicht 18jährige Sohn des Predigers Staps aus Ncmmburg; man fand bei ihm ein langes Küchenmesser, womit er nach seinem Geständnis Na- poleon hatte ermorden wollen; Napoleon verhörte ihn persönlich und auch bei dieser Gelegenheit bekannte der Jüngling kaltblütig seine Absicht, Napoleon zu ermorden, weil er der verhaßte Feind des Vaterlandes sei. Unter dem Eindrucke dieses Vorfalles ordnete Napoleon sofort die Ermäßigung der Geldforderung auf 75 Millionen an, aber Champagny erhöhte die Forderung eigenmächtig wieder auf 85 Millionen und war nicht zu bewegen, sie her- abzusetzen, selbst als der Fürst das Anbot machte, seine kost- bare Gemn'ldegallcrie Napoleon zu überlassen, wenn die erste, 6 Millionen Franken betragende Rate der zu leistenden Zah- lung nachgesehen würde. Am 14. Oktober früh unterzeichnete der Fürst der? Ver- trag mit dem Vorbehalte, daß derselbe bis zur Genehmigung des Kaisers Franz nur als Entwurf gelten solle; 
ohne sich daran zu kehren, ließ Napoleon sofort den Abschluß des Frie- dens durch Kanonenschüsse bekanntgeben, eine Ankündigung, die in Wien grenzenlosen Jubel entfesselte. Der Fürst hatte seine Vollmacht überschritten, indem er gegen den Willen des Monarchen eine Kriegsentschädigung zu- gestand, aber er hatte dazu hundert Gründe für einen: an ein weiteres Nachgeben Napoleons, der wohl wußte, daß bei dem mangelhasten Zustande des feindlichen Heeres eine Kriegs- führung ausgeschlossen sei, war nicht zu denken; schon der Unterhalt der französischen Truppen verschlang täglich bedeutende Summen; jede weitere Verzögerung des Friedensabschlusses verursachte daher Tag für Tag große Kosten; allgemein herrschte die Ansicht vor, daß nur ein Friede die Monarchie vor der gänzlichen Vernichtung bewahren könne; dieser Ansicht war auch Gentz, der, anfänglich kriegerisch gestimmt, nach klarem Einblick in die Lage der Dinge den Fürsten in eindrucksvoller Weise beschwor, den Frieden herbeizuführen.
        

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