— 16 - Zöglinge seiner speziellen Klasse, sondern auch aus anderen Klassen zahlreich saßen, und wozu sich auch, nach der dortigen unbefangenen Freiheit der Lehrer, gegenseitig den Unterricht zu besuchen, mehrere Lehrer, bisweilen auch Fellenberg einfand. In der Tat waren auch diese Vorträge anziehend durch die Form und fesselnd durch den Stoff. Nach einer jeweiligen kurzen Rekapitulation des letztgehaltenen Vortrages begann Kaiser in ununterbrochenem Redefluß eine Stunde lang und wohl auch darüber frei zu erzählen und zu schildern, ohne auch nur ein Blättchen mit Jahreszahlen nnd Daten je vor sich zu haben. Und doch fand sich auch dieses, wenn man hintendrein nachschlug, von ihm pünktlich angegeben. Aber nicht nur diese Pünktlichkeit, sondern auch die lebendige Wärme, ja oft das Hinreißende des Vortrags brachte er mit aus dem unmittelbar vorhergegangenen Studium der Quellen. Freilich mit Ausnahme etwa in den kurzen Skizzierungen bei der Rekapitulation mischte er grundsätzlich keine Reflexionen ein, sondern erzählte und schilderte ganz konkret mit höchster Anschaulichkeit Begebenheiten, Oertlichkeiten und Zustände. Und wie fruchtbar diese konkrete Darstellungsweise mit ihrer Hervor- bringung lebendiger Eindrücke war, denn gerade diese bezweckte er mit seiner Methode, das zeigte sich in den von Zeit zu Zeit mit den Zöglingen vorgenommenen Repetitionen und in ihren schriftlichen Ausarbeitungen über aufgegebene Themen, sowie aus ihren Antworten bei Gelegenheit der Lektüre des Cäsar, Sallustius, Livius, wenn diese Schriftsteller bei andern Lehrern gelesen wurden. Mit richtigem pädagogischem Takte vermied er es auf dieser Stufe sich auf Kritik der römischen Geschichts- darstellung einzulassen, obwohl Niebuhr's damals schon vor zehn Jahren erschienenes Werk auch unserm Kaiser wohl bekannt war. Er antwortete auf hierüber aufgeworfene Frage: ihm sicher scheinende Resultate aus Niebuhr nehme er wohl in feinen Vortrag auf, aber noch sei vieles erst noch sraglich, wovon zu reden auf dieser Stufe der Zöglinge nicht passe, und endlich die Ueberlieferung der Alten zu erzählen, sowie sie die Alten geglaubt haben, sei auch Geschichte, da es ja ein geschichtlich gewordener und in die Ueberzeugung der Römer übergangener Glaube sei.,Zudem sei das Ueberlieferte das Fundament, das auch
        

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