- 12 - akt sich zwischen 9 und 10 Uhr hätte abspielen sollen. Die 
Unter- länder aber waren erst bereit, den Treueeid zu leisten, wenn vor- gängig verschiedene finanzielle Angelegenheiten zufriedenstellend geordnet und ihnen die Zusicherung gegeben würde, daß alles beim alten Herkommen bleibe. Mündliche Zusicherungen genügten indes- sen 
mcht, sie verlangten für alles Brief und Siegel. Die überaus zähen Verhandlungen zogen sich bis 4 Uhr nachmittags hinaus, erst nach 4 Uhr erhoben die Unterländer ihre Schwörfinger. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, den Gründen nachzu- spüren, warum die Unterländer anno 
1699 so vorsichtig, so zurück- haltend, 
ja so frostig waren. Blättern wir in der 
Geschichte fast 100 Jahre weiter zurück, ins Jahr 
1608, so sehen wir, daß der Graf Karl Ludwig von Sulz sich mit dem Plane trägt, seine Grafschaft Vaduz und feine Herrschaft Schellenberg zu veräußern, da ihm durch Erbgang wohl schöne Besitzungen aber auch ein großer Schulden- berg zugefallen waren. Die gräslichen Untertanen waren ob diesem Entschlüsse sehr traurig. Sie baten den Grafen von Sulz, davon Abstand zu nehmen, denn die ungefähr 100 Jahre Sulzischer Re- gierungszeit waren eine glückliche Periode. Der Graf war aber nicht zu bewegen, seinen Plan zu ändern, und so führten die Ver- kaufsverhandlungen mit dem Grafen Kaspar von Hohenems im Jahre 1613 zu einem Besitzwechsel. >°) Schon im kommenden Jahre, also 1614, kam es zu Meinungs- verschiedenheiten zwischen der Landschaft und der neuen Herrschaft. *) Nur nebenbei sei hier erwähnt, das unsere Geschichte damals ganz leicht eine total andere Wendung hätte nehmen können, denn die vorherigen Ver- kaufsverhandlungen mit dem Abt Bernhard II. von St. Gallen waren sehr weit gediehen und scheiterten eigentlich nur noch an einer Kleinigkeit. Am 9. 1. 1612 hielten die Bevollmächtigten des Grasen Karl Ludwig und des Abtes Bernhard in Wil eine Konferenz ab. Dabei wurde schon die Kaufs- urkunde entworfen. Auch über den Kaufschilling war man einig. Schließlich scheiterte der Kauf wegen 4 mit dem vrmidisischc» Wappen geschmückten Ka- nonen, die im geplanten Kauf mit eingeschloszen waren, inzwischen aber vom Gasen von Sulz weggeführt worden waren. Wme» diese Verkaufsverhand- lungen mit dem Kloster St. Gallen positiv verlausen, so wäre die Reichs- herrschast Schellenberg zu Ende des 17. Jahrhunderts nicht össentlich feil- geboten worden, ein souveränes Fürstentum wäre dann nicht entstanden und man müßte annehmen, daß unser heutiges Staatsgebiet in der Zwischenzeit längst einem Nachbarstaate einverleibt worden wäre.
        

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