— 29 - zu suchen. Unter dem Einfluß 
des Feudalwesens waren die Grafen aus absetzbaren Reichsbeamten zu erblichen Landesherren geworden. Den Inhalt der landesherrlichen Gewalt bildeten eben die gräf- lichen Befugnisse, wie sie bereits geschildert wurden. 
Soweit diese reichten, hatte die unmittelbare Staatsgewalt des 
Königs sich in eine bloße Lehensherrlichkeit verwandelt. Das Reichsregiment 
be- schränkte sich in den Territorien fortan auf die nicht zu den 
Amts- bofugnissen der Grafen gehörenden Hoheitsrechte. Indem die Krone allmählich eine 
Reihe dieser Rechte zu Gunsten 
der Fürsten aufgab, erweiterte sich die landesherrliche Gewalt zur Landeshoheit. Für die Ausbildung der 
Landeshoheit ist besonders das 13. Jahr- hundert entscheident geworden, als die kaiserliche 
Gewalt schwächer und schwächer wurde, um schließlich in 
der Zeit des Interregnums vorübergehend gänzlich zu erlöschen. 
Der Haupt-wendepunkt liegt in der 
Regierungszeit Friedrich des II. und seines 
Sohnes Heinrich von Hohenstaufen, der in 
reichsgesetzlicher Form im Jahre 1231 durch die constitutio in favorem orincipum 
entscheidende Zuge- ständnisse an die Gesamtheit 
der Fürsten machte. Einen weiteren Schritt in der Ausbildung der Landeshoheit bezeichnete die goldene Bulle von 1356, indem sie 
verschiedene Freiheiten der böhmischen Krone auf die übrigen Kurfürsten ausdehnte und neu hinzufügte. Durch diese Gesetzgebung wurde der Eifer der anderen Reichsfürsten angefeuert, die den Kurfürsten gewährten Begünstigungen auch für sich zu gewinnen. Insbesondere war das Bestreben 
der Fürsten 
da- rauf gerichtet, Eebietsabrundungen oder Ergänzungen durch ver- tragsmäßige Erwerbung fremder Gebietsteile vornehmen zu können, ohne im 
einzelnen Fall an den Lehensherrn gelangen zu müssen, ein Privilegium, das die goldene Bulle den Kurfüsten bekanntlich eingeräumt hatte. 
Und diese Bemühungen 
waren offensichtlich von Erfolggekrönt, denn wir ersehen gerade aus den bereits geschil- derten Handänderungen der 
beiden Herrschaften Vaduz und Schel- lenberg, daß die kaiserliche Genehmigung der Verträge 
oft erst viele Jahre später eingeholt wurde. Das ist in 
großen Zügen die These der deutschen rechtsgeschicht- lichen Literatur über die Entstehung der Landeshoheit. Wenn wir also die Begriffbestimmung deF. Landeshoheit aufstellen wollen, können wir mit 
Easser sagen: „Die 
Landeshoheit ist die einheitliche obrigkeitliche Hervschaftsgewalt in den deutschen Territorialstaaten
        

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