— 27 — erfolgt der denkwürdige Verkauf an 
den Fürsten Hans Adam von Liechtenstein. — Durch das ganze Mittelalter herauf beobachten wir unter 
der Herrschaft des Lehensrechtes die Rechts-Anschauung, daß die Grafschaft als Lehen eben ein Vermögensobjekt darstellt, welches mit oder ohne Genehmigung des Oberlehensherrn Gegen- stand von Kauf, Tausch, Schenkungs-, Pfand- und Erbteilungs- Verträge sein kann. Und nun der zweite staatsrechtlich und verfassungsgeschichtlich ebenso wichtige und interessante mit dem eben geschilderten in inni- gem Zusammenhang stehende Umstand ! Wir wissen, daß durch den Vertrag von Hohenems vom 18. Januar 1699, der durch die Huldigung auf der Platte in Bendern am 16. März 1699 in gewissen Sinne die Zustimmung des unterländischen Volkes erhielt, der Grundstein für das nachmalige Reichsfürstentum Liechtenstein gelegt wurde, aus 
dem sich (man beachte die auffällige Parallele) wieder etwa 166 Jahre später, nach Auflösung des Heiligen Rö- mischen Reiches im Jahre 1866, unser heutiges Staatswesen ent- wickelte. Der 
Käufer Fürst Hans Adam von Liechtenstein war nicht deutscher Reichsfürst und um die gehobene Stellung eines Reichs- fürsten zu erlangen, mußten gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. In der ständischen Gliederung war der hohe Adel der erste Stand. °Er 
setzte sich aus 
den Fürsten und Herren zusammen. Die letzteren hatten größtenteils den Grafentitel angenommen, während dieser aus den Kreisen 
der Fürsten verschwunden war. Man sprach 
des- halb von Reichsfürsten und Reichsgrafen. Wesentliche Vor- aussetzungen für die Zugehörigkeit zum hohen Adel war die Reichsstandschaft, das heißt die Zugehörigkeit zum Reichs- tag und damit verbunden die Mitwirkung bei der Reichsgesetzge- bung. Der Reichstag 
gliederte sich in drei Kollegien, das Kollegium der Kurfürsten, das Kollegium 
der Fürsten, Grafen und Herren: Reichsfürstenrat genannt und das Kollegium der Städte. Die Reichs- standschaft kam im allgemeinen nur landesherrlichen Häusern zu. die sich im Besitze der Landeshoheit über ein Territorium befanden. Wer nur eine Unter-Herrschaft unter fremder Landeshoheit, z. V. unter einem Herzog, besaß, konnte nicht zum hohen Adel gehören, doch es gab von alters her gewiße Ausnahmen für solche Herren- geschlechter, 
die sich ungeachtet des Verlustes ihrer reichsunmittel- baren Stellung im Besitze der Reichsstandschaft erhalten hatten.
        

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