— 76 — Als Bildhauer begegnen wir hier nun einem Jgnatius Josephus Bin, 
und dasz er aus 
Feldkirch stammt, sagt uns die 
In- schrift auf einer 
Figur in der 
Kirche St. Johann zu 
Eins in Erau- bünden, in der er sich (1674) zusammen mit einem Johannes Bin vorstellt.') Dieser letztere war, wie uns die Feldkircher Matriken sagen, der Vater des genannten 
Jgnaz Joseph und aus Wien nach Feldkirch eingewandert. Für den jüngeren jener beiden Meister, den Autor des Altars von 
Nendeln also, hatte 
das Schicksal ein grausames 
Ende beschlossen; denn am 6. August 1697 bei dem groszen Feldkircher Stadtbrand 
kam er — erst 38 Jahre alt 
— im „Dicken 
Turm" in den 
Flammen um. °) Mit den Werken Kerns verglichen, erweisen 
sich seine Figuren nun deutlich in der Eestaltungsweise des Hochbarock vorgetragen. Die Stosfmassen haben sich vom 
Körper gelöst und fliehen in freien Falten um 
die Gestalt. (Abb. 23) 
Man spürt den kommenden Atem jenes Windes, 
der später dann 
— im 18. Jahrhundert — rauschend die Gewänder zu wirbelnden Wellen emportreiben 
wird. An 
pla- stischer Kraft hat Bin den Erasmus Kern nicht erreicht, aber es mag ein 
Erbe seiner österreichischen Herkunft sein, daß 
ihm sein Bestes in den Putti gelang, 
die in ihrem drolligen Liebreiz vollbürtige Spielgefährten der barocken 
Kinderreigen sind, wie sie die süd- deutschen 
und österreichischen Kirchen bevölkern. Damit sind wir am Ende unserer Betrachtungen angelangt, die nicht zuletzt an 
einem Beispiel — dem 
Werk des Erasmus Kern — zeigen 
wollten, dasz auch in einem kleinen Land mit bedauerlich gelichtetem 
Denkmälererbe kunstgeschichtliche Erkenntnisse erschlos- sen werden können, die für einen weiteren Bereich von Bedeutung sind. So will die Arbeit an der Denkmälerinventarisation 
Liechten- steins ihr bescheidenes Teil dazu beitragen, auf dem Gebiete der Wissenschaft die in den vergangenen Jahren aufgerichteten Erenz- wälle wieder abtragen zu helfen. ') 
..1674 Jobannes bin byldthouwer Veldkirch. Jgnazius bin." Vgl. E. Poe- schel, Die Kunstdenkmäler des Kantons Eraubiinden. Bd. VII. Basel 1948 S. 436. '1 Im Taufbuch der Stadt Feldkirch erscheint als drittes Kind des Johannes Bin. Bildhauers von Wien, und seiner Ehefrau A. Maria Schenki Jgnaz Josef Bin. geb. am 10. August 1659. Er vermählte sich laut Trauungsbuch am 24. Avril 1684 mit Margaretha Pertsch (Bcrtsch). Bei der Eeburts- wie der Vermählungseintragung ist vermerkt, dasz er am 6. August 1697 im Feuer umkam. Freundl. Mitteilung von Herrn Dr. A. lllmer.
        

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