— 73 — Rosenkranzgruppe in Meiningen, vor allem aber durch die Auf- findung eines Jnschriftenzettels auf dem Lämmchen 
eines Ensem- bles von Krippenfiguren 
in Meschach (Abb. 21 — 24) Sein Text 
be- sagt, sah „auf Weinacht des 1624 Jars aus ettlicher guttherziger Christen stüren undt almusen dis werckh gemacht und aufgericht wor- den 
durch Maister Erasmusen Kernen Bildthawer und Maister Dietrich Meussen Mahler." Weil es im Nachfolgenden heißt: „und roardt damal Pfarher alhie zu Veldkirch ..." ist die Annahme erlaubt, daß die Gruppe ursprünglich in dieser Stadt ihre Stelle hatte. Damit ist nun ein zweites schriftliches Zeugnis für ein noch existierendes Werk unseres Meisters gefunden und man darf sagen, daß es die bisherigen Zuschreibungen 
vollkommen bestätigt, nicht nur durch die Übereinstimmungen im Faltenstil, sondern auch da- durch, daß beispielsweise das Haupt des Joseph und seine Haarbe- handlung vollkommen jenem 
des St. Paulus in Triesen oder Gottvaters in Levis 
gleicht. In der derb-realistischen Physiognomie des stehenden Hirten aber gibt uns der Meister ein treffliches 
Bei- spiel seiner kräftigen Eharakterisierungskunst. Wenn wir bedenken, daß die bedeutendste Memminger Altar- werkstätte der Spätgotik, jene des Pvo Strigel, ihre Arbeiten bis weit nach Eraubünden hinein, ja sogar über den Alpenkamm hin- weg ins entlegene und nur auf mühseligem Pfad zugängliche Calancatal exportieren 
konnte, so werden wir uns die Frage nicht ersparen wollen, ob nicht Kern auch das Bündnerland in den Kreis seiner Werkstattdeziechungen einbezogen hat. Bei der Suche nach Werken der beschriebenen Stilart stoßen wir zunächst nun auf die beiden Seitenfiguren des heutigen Herz Jesu- und ehemaligen Apostelaltars im nördlichen Seitenschiff der Kathedrale von Chur. Der Aufsatz wurde nach 
einer Inschrift i. I. 1632 als Stiftung eines Ehepaars Flugi von Aspermont vollendet, er steht also zeitlich in allernächster Nähe zum Eschner Altar.') Dieses Retabel. das übrigens kompositorisch viel einfacher gestaltet ist als 
der Eschner Altar, weist zwei Seltenfiguren — des Evangelisten Johannes und des Apostel Jakobus major — auf, und im Besonderen der Vergleich des ersteren (Abb. 19) mit der Figur des Abtes Pirmin am Esch- ') E. Poeschel. Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Bd. VII. Basel 1948. Seite 115. Abb. 110. K
        

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