- 66 - leihen, gab er dem hl. Pirmin, der — um seine Würde als Kloster- gründer zu versinnbildlichen — ein Kirchenmodell in der Linken hält, ein knieendes Engelchen bei, das die Mitra des Abtes zu tragen beauftragt ist. An dieses Hauptstück des 
Aufsatzes schlichen sich außen noch — kleinen Flügeln gleich — durchbrochene Seitenteile, in denen St. Stephan und Jakobus der Altere erscheinen, die, wie im Kon- sekrationsbrief 
zu lesen steht, als Nebenpatrone des Altars fungie- ren. Dieses Figurenprogramm, das wohl vom Pfarrherrn vorgeschrieben war, 
ist also durchaus auf die lokalen Verhältnisse ausgerichtet. Auf dem Gebälk 
über diesen beiden Figuren werden wir noch der heiligen Margaretha und einer anderen weiblichen Heiligen gewahr, und die Bekrönung des Ganzen bildet eine 
zwi- schen zwei Engeln über dem Segmentgebälk sich erhebende kreis- förmige Kartusche, die ein Relief der hl. 
Dreifaltigkeit umschließt. Diese Gestaltung 
des Abschlußes ist — wie 
wir sehen werden — ein Charakteristikum auch anderer Altarkompositionen Kerns. Da 
uns dieses für Erasmus Kern urkundlich gesicherte Werk als Ausgangsstellung für weitere Zuschreibungen 
auf diesen Meister dienen soll, so haben wir uns über die besonderen Merkmale seines Stiles klar zu werden. Sie treten am deutlichsten in der Faltenge- bung hervor. (Abb. 2). Die Gewänder fließen nicht in lockeren Fluten herab, sondern scheinen feucht am Körper zu kleben. Die Falten wirken dadurch wie aufgesetztes Rippenwerk, das sich in scharfen Zacken bricht und gabelförmig teilt. 
Die Auflösung des gotischen geknitterten Eefältels in den freien weichen Schwung der Stoffmassen des Barock ist hier 
in sein letztes Stadium getreten. Im Körpergefühl empfindet der Meister renaissancemäßig, während er in der ornamentalen Gestaltung der Draperie sich noch mit dem Formenerbe 
der Spätgotik auseinanderzusetzen hat, — wie wir denn auch in der Behandlung des Haares 
noch gotische Reminis- zenzen finden. Hier tritt bei den Engeln eine Eigenheit hervor, der wir später wieder begegnen werden: die skurril aufgewirbelten kleinen Schöpfe über der Mitte der Stirn. Von anderen Einzelheiten werden wir bei anderer Gelegen- heit noch zu reden haben; hier sei nur im allgemeinen noch bemerkt, daß sich die Arbeiten Kerns als Werke eines Meisters darstellen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.