— 62 — Sätzen des Vertrages hervor, in denen es heißt, daß er von der Gesamtsumme „zuo 
vorderist" „solle haben 22V 
fl., solle aber hingegen beide altar nach der Copi und visierung (dem Entwurf) auf das flissigst . . . machen." Er ist 
damit also geradezu als der eigentliche Meister und Autor des Werkes vorgestellt, und wir brauchen nicht daran zu zweifeln, daß von ihm auch die „Visierung", der Entwurf, stammte. Demgemäß steht er auch bei den 
Unter- schriften an der Spitze der Meister, unmittelbar nach den Gemeinde- vertretern. Da der Hochaltar, wie wir 
noch sehen werden, 
als Mittelstück ein 
Gemälde umschließt, so wird uns die Frage beschäftigen, ob wir dieses Bild dem in unserm Vertrag genannten Maler Christoff Vademer zuschreiben dürfen. Dies ist nach dem Wortlaut offenbar zu verneinen. Einmal wird Bademer ausdrücklich als „Flachmaller", als einfacher 
Handwerker also, bezeichnet, und ferner 
findet sein Anteil an dem Eesamtwerk in der Vereinbarung eine erschöpfende Umschreibung, in der nur 
vom Fassen (also Bemalen), „Vergulden und Verbrunieren" (unter welch Letzterem man das Polieren des Glanzgoldes verstand) die Rede ist. Die Höhe des Honorars — es übersteigt mit 26V Gulden die Vergütung des Erasmus Kern — darf uns 
in dieser Annahme nicht irre machen, da die Elanzver- goldung nicht nur zeitraubend, sondern 
—weil sie mit echtem, aus Dukaten geschlagenen Blattgold ausgeführt wurde — auch 
kost- spielig war. Das Bild, das thematisch ohnehin keine Beziehung zum Titel der Kirche und des Hochaltars hat — 
es stellt die Krö- nung Maria dar — 
wurde also offenbar anderswoher bezogen. Wenn aus den Pflichten des Tischmachers, dem nur KV Gulden zugebilligt wurden, die vier Hauptsäulen 
ausgenommen sind, so bedeutet dies sicherlich, daß diese reich geschnitzten Stücke mit den üppigen Kompo- sitkapitellen und den Weinranken der Ausführung durch Kern vorbehalten bleiben sollten. Ihrer rechtlichen Struktur nach unterscheidet sich die Ab- machung von den im Spätmittelalter üblichen Verträgen dieser Art infofern, als nicht ein einzelner Werkstattleiter — sei er nun Bildschnitzer oder Maler — als alleiniger Kontrahent und verant- wortlicher Unternehmer auftritt, der dann seinerseits die andern Mitarbeiter entlöhnt, 
vielmehr schließt der Besteller hier 
mit den
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.