— 60 - Im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts, da — vom Geist der Gegenreformation angetrieben — auch in unsern Gegenden der kirchliche Baueifer machtvoll sich zu regen begann, erfuhr die Pfarr- kirche St. Martin zu Eschen gleichfalls eine durchgreifende Reno- vation, die wohl einem völligem Umbau gleichgekommen sein wird. Denn am 11. Januar ll>40 wurden dort durch Bischof Johann VI. Flugi alle drei Altare neu geweiht. ') Doch standen damals zu- mindest bei zwei Altären die Mensen noch bar jedes bekrönenden Schmuckes da, es sei denn, man hätte sich mit provisorischen Behelss- zierden begnügt. Jedenfalls erfahren wir aus einem im Pfarrarchiv liegenden „Verdingzettel", einem Wertvertrag also, daß am 24. August 1l>5l), mithin erst 1l> Jahre nach der Neuweihe, Pfarrer und Gemeindedeputierte bei drei Feldkircher Meistern zwei Altäre in Auftrag gaben. Der Grund für diese Verzögerung ist leicht zu ahnen! die Gemeinde hatte nach der finanziellen Anspannung, die ein Kirchenumbau sür sie bedeutete, eine Pause der Erholung dringend nötig, denn sie war, wie uns eine Notiz auf dem erwähnten „Verding" verrät, arm, so daß man „bey extraordinari kosten von Particularen steür bettlen, die Capitalien austunden und vermin- dern hat müssen". Das hatten die Eschner schon bei einem Neubau im Jahre 1438 erfahren, als sie, da die Patronatsherrin, das Kloster Pfäoers, sich standhaft jeder Verpflichtung zur Baulast entschlug, Waisengeld an- greifen mußten, und — eine kirchenrechtlich nicht ganz unbedenkliche Manipulation — persönliche Jahrzeitstiftungen zu zwei Kollektio- messen zusammenlegen sich gezwungen sahen.Was aber die kunstgeschichtliche Seite der erwähnten Zäsur zwischen Altarkon- sekration und Werkvertrag anlangt, so ist sie ein warnendes Beispiel dafür, daß wir nicht ohne Weiteres — wozu wir begreiflicherweise stets gerne bereit sind — die Weihedaten für die Entstehung der Altaraufsätze als verbindlich ansehen dürfen. -) I. B. Buchet. Geschichte der Psarrci Eschen, im Jahrbuch des Sistor. Ve- reins sür das Fürstentum Liechtenstein. 26. Band (1926) S. 78 ') Eintrag im Jahrseitbuch Eschen im Stiftsarchiv St. Gallen. Mskr. Nr. l20. Ediert bei Buckel a. a. O. S. 23.
        

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