— 91 — Er fühlte sich gleichsam als bündnerischer Konvertit. In der Folge- zeit hielt er über bündergeschichtliche Themen nicht wenige Vorträge und veröffentlichte einige beachtenswerte Forschungen. Der Ee- schichtsforschenden Gesellschaft stand er einige Jahre als Präsident (1849 — 51, 1853) und als Vizepräsident (1852, 1854 — 59) vor.') So war seine Stellung in Chur eine durchaus angesehene und unerschllttert. Rektor I. Bazzigher, der ihn noch kannte, schildert ihn uns als „eine priesterliche Natur, welcher es bei der stillen Lehrtätigkeit hinter den Klostermauern von Disentis am wohlsten gewesen war."-) 1856 verlieh ihm die Gemeinde Vigens das Bürgerrecht der Gemeinde und darauf der Große Rat dasjenige des Kantons und zwar in „Anerkennung seiner Verdienste um die Jugendbildung und um die Geschichtsforschung". Bis in seine letzten Tage war Kaiser um die Armen der Stadt Chur bemühnt. Auch stand er dem „Verein zur Unterstützung katholischer Zwecke", der in besonderer Weise die Hofschule zu erhalten trachtete, mit großem Interesse vor. Sogar in seinem Testamente gedachte er dieser caritativen Einrichtung. Um seiner Lehreraufgabe ganz zu leben, hatte sich Kaiser nie verheiratet. Bezeichnend ist es daher, daß er im Amte starb, am 23. Februar 1864 im Alter von 71. Jahren. Er hat sich geopfert für die Erziehung und Bildung der Jugend, für die Geschichte seines rätisch-liechtensteinischen Vaterlandes. Wie so viele seiner Zeit beschrieb sein Leben einen langen geistigen Weg, dessen Stationen sehr verschiedenen Charakter hatten: in Freiburg und Aarau erfaßte ihn der kalte Hauch der Aufklärung; im klöster- lichen Disentis fand er seine gläubige Familientradition ganz wieder und entdeckte die christlich-rätische Kultur seiner Heimat. In Chur, auf dessen Friedhof bei der Kathedrale seine sterbliche Hülle ruht, entfaltete er sein bestes Wirken im Dienste der Jugend und der Wissenschaft und als warm fühlender Katholik. Zwei große geistesgeschichtliche Bewegungen kreuzen sich in seinem Leben: Auf- klärung und Romantik. Ueber seine Biographie könnte man drei Namen schreiben: von Voltaire über Sailer zu Christus. >) Siebe jetzt Pieth F. im Jahresbericht der historisch-antiquarischen Eelellschast von Eraubünden 68 (1933). 20—21. 38—39. 53. 54. 69. 2) Vazzbiger, S. 105.
        

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