— 84 — das Rektoratsamt abtreten mußte. Probst ersehnte eine Verlegung der Schule nach Chur, wo sie als bischöfliche Schule hätte weiter- bestehen sollen. Ebenfalls zur Gegenpartei gehörte der Württem- berger Dr. Eruber und der Münchner Musiklehrer Hailer. Ihnen schloß sich auch Dr. Jgnaz Christian Schwarz an.") Daß gerade Schwarz sich mit Kaiser nicht verständigen konnte, ist nur zu be- dauern, denn er war ein sehr talentierter Schriftsteller der roman- tischen Richtung aus Bamberg, der aus seiner katholischen Ueber- zeugung kein Hehl machte. Schwarz fand auch ähnlich wie Kaiser Freude an der rätischen Sprache und den bündnerischen Bergen. Wie alle musikalisch und dichterischen Naturen war er aber etwas sensitiv und impulsiv veranlagt, ganz im Gegensatz zum nüchternen und ruhigen Liechtensteiner.-) Wie dem immer sei, auf der Gegen- seite Kaisers fanden sich keineswegs nur persönliche, sondern auch viele sachliche Momente zusammen. Aber leider scheinen sie den Rektor in ungerechter Weise für alle Unzulänglichkeiten verant- wortlich gemacht zu haben. Noch mehr! Sie hetzten gegen ihn und nützten dazu auch seine aufklärerische Vergangenheit nicht wenig aus. Ein lustiger Fastnachtsabend 1838, den der Rektor den Pro- fessoren Schwarz, Eruber und Hailer in Rücksicht auf das klösterliche Haus, in welchem sie sich befanden, einschränkte, war mehr Anlaß als Ursache, daß ein offener Streit entstand. Nachdem Professor Schwarz vor dem Schulrate in Chur seinen Standpunkt vertreten hatte, meldeten die Schüler den ihrigen an. Ihren Brief unter- schrieben gleich 60 Studenten, mit andern Worten alle, da der Jahresbericht überhaupt nur 62 angibt. Sie weisen darauf hin, daß das Volk „sonst bei dem geringsten Anlaß mit lauter Stimme gegen die Schule sich erhebt", diesmal aber bezeichnenderweise ganz schweigt. Es kennt eben „Herrn Kaiser als einen guten, tüchtigen und höchst freundlichen Mann". Ferner legen die jungen Freunde des Rektors dar, daß Kaiser Widersprechendes vorgeworfen werde: >) Chronica Monasterii I. S. 2—4. s) Ueber Schwarz vgl. vorläufig Brümm?i Fr.. Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des 19. Jh. 2 (1888) 309. Er verössentlichte 1943 das wunderliebe Buch: „Wanderbilder von den Quellen des Rheins bis zum Rheinsalle", in welchem er S. 2 „das gelehrte Schulvrogramm von Rektor Dr. Kailer über den Stamm und die Herkunft der alten Rhätier" erwähnt und S. 19—20 die Disentiser Kantonsschule verteidigt.
        

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