— 78 Wie schon angedeutet, sieht unser Forscher nicht in blinder Liebe nur das Rätische. Davor bewahrte ihn wohl seine deutsch-liechten- steinische Abkunft. Er entdeckt auch germanische Rechtsgewohnheiten so die Ausdrücke sut glienda (unter der Linde sich versammeln zum Gerichte) und clamar mundi (den Frühlingsweidgang verrufen).') Rektor Kaiser vermied also den Nationalismus, der damals unter den deutschen Romantikern wie Fichte, Arndt und Iahn Brauch war. Das einmal gewählte Thema lies; Kaiser keine Ruhe mehr. Dem Schulprogramme von 184V fügte er eine siebenseitigc Unter- suchung: „Ueber die rechtlichen Verhältnisse der Rhätier unter der Herrschaft der Ostgoten und Franken" bei. Darin kommt er zum Ergebnis, daß die Römer in Rätien wie in Italien einen Dritteil den Ostgoten abtraten.-) Wichtiger und wohl auch richtiger ist die Fortdauer des römischen Rechtes (Steuerverfassung und Gerichtsordnung) in Rätien unter Ostgoten und Franken sogar bis ins M. Jahrhundert hinein dar- legt. Daß Kaiser diese Entwicklung so klar durchsah, ist vielleicht gerade von seiner Hegelschen Kontinuität her begreiflich. Des näheren stützte er sich hier aber auf den bekannten Rechtshistoriker Savigny/'l Auch hier sieht er nicht alles römisch an, sondern über- setzt bereits den miles des Tellotestamentes von 7t>5 mit „Ritter". Die eben genannte Urkunde interpretierte Kaiser überhaupt gut, suchte er dock beispielsweise alle angegebenen Ortjchasten im Rhein- lal. im Gegensatz zu Johannes von MüNer und Ambrosius Eichhorns) Mit diesen zwei Studien über dos alte Rätien war Kaiser nun vom Aargauischen Geschichlsiheoretiter zum eigentlichen Bünd- nerischen Geschichtsforscher umgewandelt. Die genannten Arbeiten, io klein sie waren, hatten ihm auch bereits gezeigt, aus welchen geistigen und sprachlichen Wurzein sein eigenes Heimatland heraus- gewachsen war. Liechtenstein gehörte ja zum alten Rätien und zum Bistum Chur. So war Kaiser in Disentis langsam zum Liechten- steinischen Geschichtsschreiber g?sormi worden. Die 1847 hcraus- >> Val, Fri, K.. ?>-r Trunser AKorn I!>.̂ S. ?3 - bei. -17. .V!, -> Val, Dietzc H„ R.nicn und seine germanische Umwelt. S, »7, i> Vgl, Schnabel 3 «>!>!«>. !I. .'.I i. 1̂ Ucbrr Tcllo war schon in Kaisers criier Abbandlungi ..Ueber Siamm und Hertunil der allen Rätier" mebrioch die R?d?, Da;» Zeitschriil s. Schweiz. Geschichte I!« IM!>> 3^ NA.',, ierner ?anrcsberichl der hisl.-antiauar. Gesell- ichait von Eraubündcn M >I!>:!!1) lUiii,
        

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