— 70 — Kaiser in seinen späteren Forschungen, daß er die Werke Niebuhrs gut kannte. Von der Habsburgerresidenz zog der junge Historiker nach Freiburg im Breisgau, wo er von 1817 bis 1820 wiederum sich besonders der Historie und Philologie widmete. Hier schloß er sich der erst 1815 in Jena gegründeten „Burschenschaft" an und be- geisterte sich für das alte deutsche Reich. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß er sich dort auch für die demokratischen Ideen und den politischen Liberalismus begeisterte. Baden war ja durch seine Uebernahme der Säkularisation (1803 im Regens- burger Reichsdeputationshauptschluß) und noch mehr durch seinen Beitritt zum ganz französisch orientierten Rheinbund (1806—13) für die Ideen der französischen Revolution gewonnen worden. Dazu kommt noch, daß Kaiser die historischen Vorlesungen von Karl von Rotteck hörte, der bekanntlich der mächtige Rufer nach der parlamentarischen Freiheit war. Noch mehr! Rotteck huldigte auch dem religiösen Liberalismus. Bei keinem anderen als bei Voltaire machte er seine geistigen Anleihen. Der aufgeklärte Professor lobte den „vorangeschrittenen Geist des erleuchteten Zeitalters" und warnte vor den „Finsterlingen" und vor Lug und Trug der Priester und Könige.') Das getreue Echo seines Lehrers gab der junge Kaiser in einem Gedichte wieder! O Gott, hast alles wohlgemacht, Und willst nicht Dummheit, Knechtschaft, Nacht, Du willst ein wahrhaft göttlich Reich, Drum tödt die Pfaffen allzugleich. Wir müssen diese lockeren Zeilen als ausgelassene Stimmung jener bewegten Jahre des „Sturmes und Dranges" bezeichnen. Um gerecht zu urteilen, muß man sie neben die vielen schon im 18. und 19. Jahrhundert gesungenen leichten Studentenlieder setzen, die auch in katholischen Kreisen Brauch waren. Uebrigens ist wohl zu merken, daß das Gedicht nie für die Oeffentlichkeit bestimmt war. Es ist eine typische Aeußerung studentischer Entwicklungsjahre. Man bedenke auch, daß er gerade in den gefährlichsten Jahren auf sich selbst angewiesen war, verlor er doch seine Eltern, als er sich kaum in der Donaustadt zurechtgefunden hatte. Nichts ist empören- l) Schnabel l. c. 2 (1933)) 177—178: 3 1934) 107: 4 1937) 38.
        

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