— 33 — «1 Die Zeit von 143V—1482. Eine erhebliche Ausweitung der landesherrlichen Rechte der Besitzer der Herrschaften Vaduz und Schellenberg erfolgte durch die Verleihung der Urkunde vom 26. Dezember 1436 durch König Sigismund, die dann 1439 durch König Albrecht und 1454 durch Kaiser Friedrich III. für den Freiherrn Wolfhart III. von Brandis erneuert wurde. Stand bis dahin den Besitzern der Herrschaften die bürgerliche und peinliche Gerichts- barkeit bereits zu, so war der Rechtszug an das Landgericht Unter- riitiens in Rankweil und der Weiterzug an das Hofgericht in Rott- weil als dem Gerichte des Herzogtums Schwaben theoretisch mög- lich, wenn es auch praktisch kaum vorgekommen sein dürfte, da die landesherrliche Gewalt zu dieser Zeit sehr autokratisch gehandhabt wurde. Lediglich eine Klage gegen den Besitzer der Herrschaft selbst hätte bei diesen Oberinstanzen anhängig gemacht werden können, doch wurde meist vorgezogen, Streitfälle mit Waffengewalt aus- zutragen oder ein Schiedsgericht damit zu betrauen. Durch die Urkunde von 1436 wurde nun dem Freiherrn Wolf- hart von Brandis und allen seinen Erben und Nachfolgern die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, insbesondere die peinliche Gerichts- barkeit „den Bann über das Blut zu richten" als Lehen verliehen. Es durften brandisische Untertanen und Leute, die in den brandisi- schen Gebieten wohnhaft waren, auch wenn sie nicht Untertanen der Brandiser waren, nur mehr vor den Gerichten, die von den Frei- herren bestellt wurden und in ihren Herrschaften tagten, beklagt oder einvernommen werden. Alle andern Gerichte wurden für Streitsachen aus dem Gebiet der Brandiser als unzuständig erklärt und alle Urteile sollen nichtig sein. Ausnahmen bestanden nur für 2 Fälle, nämlich erstens bei Klagen gegen den Herrschaftsbesitzer selbst, die beim Kaiser oder seinem Rate eingebracht werden muhten und zweitens in Fällen, in denen die Brandiser das Recht offen- sichtlich versagten, d. h. Klagen nicht zuließen, soll die Klage bei einem Landgericht oder dem Hofgericht in Rottweil eingebracht werden können. Die Entscheidungen der brandisischen Gerichte waren endgültig. Um diesen Privilegien noch größere Nachachtung zu ver- schaffen, wird jeder, der freventlich dagegen verstoßen sollte, unter Androhung der kaiserlichen und des Reiches Ungnade zu 5V Mark lötigen Goldes Strafe verurteilt, die zur Hälfte in des Kaisers Kammer und zur andern Hälfte an den Freiherrn von Brandis
        

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