— 77 — Der zweite Erabungstag brachte eine lleberraschung, indem im Graben, in zwei Meter Tiefe eine Steinsäge (s. Taf. I, oben rechts) gefunden wurde. Die gleichen Werkzeuge kamen massen- haft (mehr als 16V Stück) in der neolithischen Siedlung auf dem Petrushügel bei Cazis in Eraubünden vor, wo der Berichterstatter seinerzeit mitgearbeitet hatte. Diese meist aus Sandstein zugerichteten, handlichen Platten von verschiedenen Größen, mit einem oder mehreren kantig zuge- schliffenen Rändern, dienten dazu, um mit hartem, nassem Sand aus dem Rohstück, z. B. aus Serpentin, die grobe Form für Stein- werkzeuge (Beile, Meißel) herauszusägen. Solche Sägen werden auch in den Pfahlbauten gefunden. Im 32. Band der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte 1940/41 hat Th. Ischer die Technik des Steinsägens im Neolithikum mit solchen Werkzeugen beschrieben. Auf unserem Erabungsplatz haben wir übrigens im weitern Ver- lauf der Grabung noch zwei Steinsäge-Fragmente gefunden, dabei ein sehr kleines und feines Stück mit zwei geschliffenen Kanten (s. Taf. I, oben). Dies sind die ersten bisher in unserem Land gefun- denen Steinsägen aus dem Neolithikum. Sie find nicht zu verwech- seln mit den Werkzeugen aus Feuerstein (mit Sägezähnen), wie sie Herr Hild auf dem Borscht gefunden und in Jahrb. 36 Abb. 1 abgebildet hat. Wir fanden dann weiter auch noch ein von einer Steinsäge auf zwei Seiten angesägtes und dann abgesprengtes Stück Serpen- tin, das die Arbeitsweise mit der Steinsäge veranschaulicht. Der auf dem Lutzengüetle hausende Mensch der Jungsteinzeit hat sich also aus geeignetem Material, das er im Rheinschotter fand, seine Steinwerkzeuge selbst hergestellt. Mehr als zwei Meter tief im Graben lag ein mächtiger, tischartiger Stein. Es ist wohl möglich, daß dies der Arbeitstisch war, an dem solche Werkzeuge hergestellt wurden. Bei diesem Stein und darunter lagen grobe, sicher jungsteinzeit- liche Scherben, deren Ränder zum Teil mit Fingereindrücken ver- ziert waren (s. Taf. II unten). Erst in 3.25 Meter Tiefe hörten die Funde auf und es kam der Moränenboden zum Vorschein. Es hatte sich also schon bei Beendigung dieses ersten Grabenstückes die
        

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