— 27 — S. Churrätien in tarolingischer Zeit. (752 — 911). Der fränkische König Pipin hatte 
das Herzogtum Alemannien aufgehoben. Von dort ab dürfte die Militärgewalt über die Ro- manen Churrätiens einem benachbarten Grafen übertragen worden sein, wenigstens in jenen Fällen, in welchen die churrätische 
Präsi- dialgewalt mit der Bischofswürde vereinigt ward. Es scheint allerdings nicht vollständig sicher zu sein, ob 
Chur- rätien 
in dieser Zeit zum Herzogtum Alemannien gehörte oder nicht. Verschiedene Urkunden sprechen vielmehr dafür, dafz Churrätien nicht 
dem Herzogtum Alemannien einverleibt ward. Aus der 
2. Hälfte des 8. 
Jahrhunderts wissen wir, daß sich die Stände in Curialen, Colonen und Leibeigene oder Sklaven gliederten. Die Colonen waren halbfreie Bauern, deren 
Rechts- stellung in römischer Zeit sich ausgebildet hatte und im Wesen darin bestand, daß sie das Gut eines Grundherrn 
gegen bestimmte Naturalabgaben (meist Früchte des bebauten Bodens) für eigene Rechnung bebauten, mit dem Gute 
aber so verbunden waren, daß sie es 
weder verlassen, noch von demselben entfernt, daher nur mit ihm verkauft werden konnten. Im übrigen 
waren sie insoweit 
per- sönlich frei, 
als sie z.B. gültige Ehen eingehen konnten 
und des Eigentums fähig waren, mit der Einschränkung jedoch, daß sie ihr liegendes Söndergut nicht veräußern durften^). Doch scheint es, daß 
sich schon in der 
2. Hälfte des 8. Jahr- hunderts das Colonat nicht mehr rein erhalten, sondern sich der Leibeigenschaft genähert hatte. 
Immerhin dürsten die auf Berg- gütern gesessenen Colonen sich länger frei erhalten haben, als jene in den Tälernd. In 
Churrätien sollen eigentliche Sklaven verhältnismäßig selten gewesen sein und soll die aus römischer Zeit stammende Sklaverei sich in die nun wesentlich mildere Leibeigenschaft ge- wandelt habend. 1) Planta' a.a.O.. S. 290 und 291. 2) Adolf HellbockI Regelten von Vorarlberg und Liechtenstein (Quellen zur Geschichte Vorarlbergs und Liechtensteins). 1. Band. Reg. 47. 53 u. 72. Z) Planta: Das alte Rätien. S. 291 u. 292. ->) Planta: a.a.O.. S. 293. s) Planta: a.a.O.. S. 294.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.